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© Thomas Gade / Mai 2015 (aktualisiert 2026)
C.A.R.E. Diesel aus nachwachsenden Rohstoffen
Der Diesel an den Straßentankstellen besteht überwiegend aus Erdöl mit einer Beimischung von konventionellem Biodiesel. Dieser konventionelle Biodiesel wird aus Fettsäuren und Methanol hergestellt und trägt die Bezeichnung FAME (Fatty Acid Methyl Ester). Er wird aus pflanzlichen und tierischen Fetten gewonnen, zum Beispiel aus Raps. FAME hat ähnliche Eigenschaften wie fossiler Diesel und kann mit diesem gemischt werden. Allerdings reagiert FAME stärker mit Sauerstoff, altert schneller, verharzt und fördert das Wachstum von Mikroorganismen – die Ursache der gefürchteten Dieselpest.Diesel aus nachwachsenden Rohstoffen
Die Umweltpolitik vieler Länder schreibt die Beimischung von Biodiesel vor, um den Verbrauch fossiler Energieträger und die CO₂-Emissionen zu senken. Angesichts des wachsenden weltweiten Energiebedarfs bleibt der tatsächliche Erfolg dieser Maßnahme umstritten. Dennoch zwingen die begrenzten Erdölreserven zur Entwicklung von Alternativen.
Alternative zu FAME
FAME kann als Zwischenschritt betrachtet werden, ist aber kein optimaler Kraftstoff. Es ist jedoch möglich, aus pflanzlichen und tierischen Fetten einen deutlich besseren dieselähnlichen Kraftstoff herzustellen. Das finnische Unternehmen Neste Oyj entwickelte dafür die NExBTL-Technologie („Next Generation Biomass-to-Liquid“). NExBTL-Diesel wird aus unterschiedlichen Rohstoffen wie Rapsöl, tierischen Fetten, Palmöl und anderen nachwachsenden sowie Abfallstoffen produziert.
Laut Neste ist NExBTL-Diesel schwefelfrei, aromatenfrei und besteht aus reinen Kohlenwasserstoffen. Im Gegensatz zu FAME verharzt er nicht, altert deutlich langsamer und fördert nicht das Wachstum von Mikroorganismen. In Österreich vertreibt die TOOL-FUEL GmbH diesen Kraftstoff unter dem Markennamen:
C.A.R.E.™ Diesel
Laut Hersteller übertrifft C.A.R.E. Diesel die Qualitätsanforderungen für Dieselkraftstoffe. Er besitzt einen höheren Brennwert als konventioneller Biodiesel und fossiler Diesel, eine sehr hohe Cetanzahl und eine hervorragende Zündwilligkeit. Die Alterungs- und Lagerstabilität ist deutlich besser als bei herkömmlichem Diesel. Der Kraftstoff ist bis zu Temperaturen unter –35 °C einsetzbar.Sauberer Diesel
Während normaler Diesel der Wassergefährdungsklasse 2 (WGK II) zugeordnet wird, gilt C.A.R.E. Diesel als deutlich umweltverträglicher und nur als schwach wassergefährdend (WGK I). Er ist glasklar, lagerstabil, verbrennt mit sehr geringer Rußbildung und riecht nahezu neutral. Viele Nutzer schätzen besonders das Fehlen des typischen Dieselgeruchs. Die Abgase sind sauberer, sodass bei Booten die weißen Rümpfe im Bereich des Auspuffs länger sauber bleiben.
Links: NExBTL-Diesel verbrennt mit geringer Rußbildung. Rechts: Herkömmlicher Diesel erzeugt deutlich mehr Ruß.
Foto: Neste Oil
Der Kraftstoff hat eine höhere Cetanzahl als gewöhnlicher Diesel und ist daher zündwilliger. Das unangenehme „Nageln“ des Motors tritt deutlich seltener auf.
Herkömmlicher Diesel: Nach einer Fahrt erzeugt ein kurzer Vollgasstoß eine deutliche Abgaswolke.
Mit C.A.R.E. Diesel fällt die Qualmwolke wesentlich schwächer aus.
Keine Dieselpest mit C.A.R.E. Diesel
In Booten, Wohnmobilen, Oldtimern und Notstromaggregaten mit langen Standzeiten und geringem Verbrauch ist die Gefahr einer Dieselpest deutlich geringer, wenn C.A.R.E. Diesel verwendet wird. Mikroorganismen können sich in diesem Kraftstoff nur schwer ansiedeln. Zudem trennt sich Wasser besser vom Kraftstoff als bei der herkömmlichen FAME-Mischung, in der durch Bewegung eine feine Wasser-in-Öl-Emulsion entstehen kann.Kritisch betrachtet werden die Rohstoffgewinnung und die Verträglichkeit mit sehr alten Dieselmotoren, insbesondere mit deren Dichtungsmaterialien.
Nachwachsende Rohstoffe – Kritik und Perspektive
Ein Diesel aus nachwachsenden Rohstoffen kann sich nur durchsetzen, wenn diese in ausreichender Menge und nachhaltig produziert werden können. Erdöl stellt hier eine hohe Messlatte dar, da es über Jahrmillionen aus Biomasse entstanden ist. Die Nutzung von tierischen Abfällen aus Schlachthöfen, Fischereien und Gastronomie ist möglich, erfordert jedoch einen erheblichen logistischen Aufwand.Zudem stellt sich die Frage, ob kompostierbare Biomasse in großem Umfang zu Kraftstoff verarbeitet werden sollte, der anschließend verbrannt wird. Biomasse ist Teil natürlicher Kreisläufe – verrottende Pflanzen geben Nährstoffe an den Boden zurück.
Monokulturen vernichten Lebensräume
Um den gesamten Kraftstoffbedarf mit nachwachsenden Rohstoffen zu decken, wären extrem effiziente Produktionsmethoden notwendig. Der Anbau ölhaltiger Pflanzen in großflächigen Monokulturen stößt auf heftige Kritik, insbesondere die Rodung von Regenwäldern für Palmölplantagen. Der Verlust von Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten – symbolisiert durch den Orang-Utan – mindert die Akzeptanz von Biokraftstoffen erheblich.
Als großer Hoffnungsträger gelten Algen, die in geschlossenen Tanks gezüchtet werden können. Sie vermehren sich sehr schnell, benötigen deutlich weniger Fläche und können sogar CO₂ aus Industrieabgasen nutzen.
Algen als Rohstoff
Die Branche setzt große Erwartungen in die Züchtung von Algen in Tanks. Dabei wird CO₂ gebunden und Abwärme aus Industrieanlagen kann zur Beheizung genutzt werden. Pilotprojekte, unter anderem in Brasilien, haben gezeigt, dass eine umweltverträgliche Produktion großer Mengen Algen möglich ist.
Palmen in einer Plantage.
Foto: Neste Oil
Jatropha-Plantage. Jatropha gehört zur Familie der Wolfsmilchgewächse.
Foto: Neste Oil
Rohstoffe für die Produktion von C.A.R.E. Diesel: Algen, Bohnen, Bakterien, tierische Fette, Palmöl und weitere öl- und fetthaltige nachwachsende Rohstoffe.
Foto: Neste Oil
Umweltschützer beobachten die Produktion nachwachsender Rohstoffe kritisch. Der Einsatz von Chemikalien und die Rodung von Regenwäldern für Monokulturen stehen dabei im Fokus. Deshalb setzt die Branche verstärkt auf Algenproduktion in geschlossenen Systemen.
2019 / Quelle: Website von Tool-Fuel
Die Kritik am Palmöl zeigte Wirkung. Neste Oil teilte 2018 mit, dass der Palmölanteil im Rohstoffmix auf 20 % gesunken war. Tool-Fuel gab im Oktober 2019 bekannt, dass C.A.R.E. Diesel seit Januar 2019 ohne Palmöl produziert wird. Stattdessen werden vorwiegend Speisefette und gelegentlich Abfallschlämme aus der Palmölproduktion verwendet.
Verträglichkeit mit Motoren
Da C.A.R.E. Diesel nicht vollständig dem herkömmlichen Diesel entspricht, wurde die Verträglichkeit mit Dieselmotoren geprüft – insbesondere die Beständigkeit der Dichtungen. Im Jahr 2015 erteilte Volvo Penta, einer der führenden Hersteller von Bootsmotoren, die Freigabe für C.A.R.E. Diesel. Verschiedene Automobilhersteller hatten bereits früher zugestimmt.Wo tanken?
Trotz seiner Vorteile ist C.A.R.E. Diesel an deutschen öffentlichen Straßentankstellen nicht erhältlich. Der gesetzlich vorgeschriebene Mix aus FAME und fossilem Diesel bleibt weiterhin Standard.Im Jahr 2015 konnten entlang der Nord- und Ostseeküste mehrere Marinas als Partner gewonnen werden, die C.A.R.E. Diesel für Sportboote anbieten. In der Marina Lanke (Berlin) ist der Kraftstoff seit 2016 verfügbar. Ansonsten wird C.A.R.E. Diesel hauptsächlich für geschlossene Fahrzeugflotten, Flughäfen, Feuerwehren und einige Verkehrsbetriebe sowie Fahrgastschiffreedereien eingesetzt.
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