Sommertag auf dem Tegeler See

Berlin an einem heißen Samstag im Juli 2014. Das sommerliche Badewetter hatte die Menschen aus den Häusern gelockt. Die Freibäder, Badestellen an den Seen und schattigen Plätze in den Parks waren gut besucht. Auf den Gewässern der Stadt hatten viele Bootseigner große und kleine schwimmende Fahrzeuge in Bewegung gesetzt, um irgendwo auf den Berliner Gewässern Erholung und Abkühlung zu suchen. Mein Boot lag im Saatwinkel unweit des Flughafens Tegel. Um dem Lärm der startenden und landenden Flugzeuge zu entgehen, fuhr ich mit dem Boot zur anderen Seite des Tegeler Sees und warf in Ufernähe den Anker. Vor dem Schilfgürtel war eine Blässhuhnfamilie unterwegs, dessen Nachwuchs piepsend um Essen bettelte.

Voller Badestrand
Voller Badestrand

Viele Boote lagen vor Anker. Der laue Wind drehte mein Boot mit dem Bug zur Sonne, was für angenehmen Halbschatten unter der Persennig über der Plicht sorgte. Doch zugleich lag das Boot parallel zur Fahrtstrecke der Ausflugsdampfer und Motorboote, deren Wellen mein Boot ordentlich in Bewegung hielten. Zum Dösen war das Schaukeln nett; es wiegte rasch in den Schlummer. Doch während des Schreibens am Laptop irritierte die Schaukelei, die zusätzlich durch die Wasserskifahrer auf der anderen Seite des See in Gang gehalten wurde.

Das benachbarte Boot wurde von einem Mann in einem Rettungsring umrundet. Er führte ein Reinigungsgerät am Stiel mit und säuberte die Seiten seines makellos sauberen Bootes. Zweifellos ein meditativer Vorgang. Anschließend kletterte er auf sein Boot, setzte einen Strohhut auf, nahm einen weißen Eimer an einem schwarzen Tau, schöpfte damit Wasser aus dem See und setzte die Reinigung seines Bootes fort. Das dauerte Stunden. Seine Partnerin beschäftigte sich derweil mit Dösen, Schwimmen oder trieb im Wasser und hielt sich an der Badeleiter fest. Entschleunigung pur; alles geschah in Zeitlupe.

Ankernde Boote im Tegeler See
Ankernde Boote im Tegeler See

Andere Boote, andere Szenen: Viele kleine Motorboote mit Außenbordmotoren waren unterwegs. Die oft vollbesetzten Boote waren zu klein, um als ankernde Erholungsinseln zu dienen und hatten keine schattenspendenden Verdecke. Sie wurden gefahren, um ihren Insassen mindestens die Illusionen der Abkühlung durch einen Fahrtwind zu verschaffen. Normalerweise dienten sie zum Angeln, doch heute wurden sie zur sommerlichen Freizeitgestaltung eingesetzt.  Diese Boote produzierten mit ihren Außenbordern mehr Wellen und Krach als Antrieb.

Mann mit Sonnenschirm im Boot
Mann mit Sonnenschirm im Boot

Doch an anderer Stelle waren schöne Beispiele dafür zu sehen, wie man es sich auch in kleinen Boot gemütlich machen konnte. Apropos, kleines Boot. Ein winziger Schlepper, ca. vier Meter lang, fuhr vorbei.

4 Meter langer Schlepper
4 Meter langer Schlepper

Von der Greenwichpromenade drangen Mikrophonansagen und Livemusik herüber. Das Hafenfest fand statt. Der Moderator wurde allmählich lebhafter und versuchte, das Publikum mitzureißen. Er kündigte Songs wie ‘Sweet home Alabama’ mit einer Begeisterung an, als ob er all seinen Zuhörern einen kollektiven Lottogewinn in absurder Höhe mitzuteilen hatte. Vergeblich wartete ich auf den Jubel. Die Bühne war einen Kilometer entfernt. Vom Publikum war kein Pieps zu hören, weder Klatschen noch Johlen. Gegen die Anlage hatte es keine Chance.

Eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang lichtete ich den Anker und fuhr zur Seeseite rüber, wo die Bühne stand. Erstaunlicherweise lagen dort etliche Sportboote vor Anker. Geschmäcker sind verschieden, dachte ich, doch die Band hatte gewechselt. Das Niveau war eindeutig gestiegen. Auf den Stufen der östlichen Seite der Greenwichpromenade saßen viele Menschen und blickten zu untergehenden Sonne.

Live Musik zum Sonnenuntergang
Livemusik zum Sonnenuntergang

Die Band interpretierte gekonnt ‘Aloha Heja He’ von Achim Reichel. Das war richtig gut. Wer hätte das gedacht?

Sonnenuntergang
Sonnenuntergang

2 Gedanken zu „Sommertag auf dem Tegeler See

  1. Gut beschrieben! Die Geräuschkulisse des Hafenfestes war für die meisten Ruhesuchenden auf den Booten im weiten Umfeld tagsüber nicht so schön. Aber Abends passt das mit besserer Besetzung.

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