Der Ausflugsdampfer Lichterfelde rammt ein Segelboot auf dem Wannsee

Zwischen den Anlegestellen Berlin-Wannsee und Kladow unterhält die Reederei ‘Stern- und Kreisschiffahrt’ im Auftrag der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) eine Fährverbindung. Sie wird vor allem von Spaziergängern genutzt, die einen Ausflug nach Kladow unternehmen wollen. Im Winter fährt die kleinere ‘Tempelhof’ und sonst die größere ‘Lichterfelde’. Vor Kladow liegt die Insel Imchen mit einer Brutkolonie von Komoranen. Zudem befinden sich dort einige Graureiher. Kladow hat einen wunderschönen Uferweg entlang der Havel und es gibt diverse Biergärten unweit von der Anlegestelle. Viele Spaziergänger zieht es an sonnigen Tagen dorthin.

Die Fahrt der Ausflugsdampfer, so sollte man die Fähren treffender bezeichnen, verläuft entlang des Strandbads Wannsee.  Dort sind Sportboote aller Art unterwegs, auch Tretboote und Windsurfer.  Das Gewässer zwischen Kladow und dem Strandbad ist ein beliebtes Regattarevier, das von den zahlreichen Seglervereinen viel genutzt wird.

Fährverbindung
Fährverbindung

Wer sich auf diesen Gewässer bewegt, tut dies vor allem aus Freizeitgründen. Das betrifft die Passagiere der Ausflugsdampfer ebenso wie die vielen Skipper auf ihren Segel-, Tret- und Motorbooten, Kanus, Mietflößen und Surfbrettern. Dazwischen sind Boote des DLRG zu sehen und gelegentlich die Wasserschutzpolizei. Nur auf der Havel ziehen Binnenschiffe und Schubverbände vorbei, die zu schwerfällig sind, um ausweichen zu können. Eine gegenseitige Rücksichtnahme aller anderen ist erforderlich, um allen Raum zu lassen. Darauf sollten auch die Schiffsführer auf den Ausflugsdampfern achten. In Zeitnot ist hier niemand.

Die Lichterfelde an der Anlegestelle Wannsee
Die Lichterfelde an der Anlegestelle Wannsee

Heute berichteten mehrere Medien von der gestrigen Kollision der MS Lichterfelde mit einem Segelboot auf dem Wannsee. Es war angeblich aufgrund einer Windstille nicht in der Lage, aus dem Weg der Fähre zu fahren. Diese hielt laut Medienberichten mit unverminderter Geschwindigkeit darauf zu und änderte ihren Kurs nicht, obwohl ein erfahrener Schiffsführer einschätzen müßte, ob ein Sportbooot ausweichen kann. Segelboote haben ohne Wind keinen Antrieb. Das ist an den schlaffen Segeln erkennbar. Bis zum Anwerfen eines eventuell an Bord befindlichen kleinen Außenborders, dem Flautenschieber, vergeht zuviel Zeit und welcher Bootskollege mag sich beim schnellen Nahen des großen Ausflugdampfers in die Nähe des dümpelndes Bootes bewegen, um es wegzuschleppen? Der Tagesspiegel schreibt:
„Der Kapitän der Fähre hat voll draufgehalten“, berichtete eine Augenzeugin.

Die Lichterfelde vor dem Strandbad Wannsee
Die Lichterfelde vor dem Strandbad Wannsee. Immer wieder knapp vorbei.
Die Lichterfelde zwischen Segelbooten
Die Lichterfelde zwischen Segelbooten

Der Skipper des Segelbootes konnte sich mit einem Sprung über Bord retten. Er wurde von einem herbei eilenden Boot aufgefischt. Die Lichterfelde ist aufgrund ihrer gradlinigen Fahrweise berüchtigt. Sie prescht mitten durch Regatten hindurch. Das Recht ist auf ihrer Seite. Sportboote müssen der Berufsschifffahrt ausweichen. Bislang ist das gut gegangen, auch wenn schon mancher Skipper Muffensausen hatte. Zum Treffer ist es erst jetzt gekommen. Glücklicherweise kam niemand zu Schaden.
Dennoch ist das Verhalten des Schiffsführers der Lichterfelde zu hinterfragen. Er hätte das Segelboot früher wahrnehmen und erkennen müssen, dass es keinen Wind in den Segeln hatte, wenn es denn so war. So schnell muss hier keiner rasen, dass das nicht möglich ist. In dem Fall ist die Geschwindigkeit zu reduzieren und, falls möglich, ein Kurswechsel durchzuführen. Mit dem kräftigen Horn des Schiffes kann man die anderen Boote darauf aufmerksam machen. Die Bedeutung der Töne haben sie für ihre Sportbootprüfung gelernt.

Im Winter haben wir die Fahrt zwischen Kladow und Wannsee gefilmt. Das geschah auf dem Schiff ‘Tempelhof’, das den Winterdienst fährt.


6 Gedanken zu „Der Ausflugsdampfer Lichterfelde rammt ein Segelboot auf dem Wannsee

  1. Der arme Segler! Es kann jedem Boot passieren, dass es manövrierunfähig wird. Auf dem Wannsee, ein stark frequentierter Freizeitsee muss auch der lokale Berufsschiffer Rücksicht nehmen.
    LG
    Anke

  2. Aus den Zeitungen wird man nicht schlau. Beurteilen kann man das Ereignis nur, wenn man mehr dazu weiss oder dabei war. Als Segler würde ich mir eine Enschuldigung ausdenken, wenn ich einem Berufsfahrer den Weg versperre. Es ist immer leicht, dem Schiffsführer eines Dampfers die Schuld in die Schuhe zu schieben. Seien wir froh, das außer geringen Schäden nichts passiert ist.

  3. Wir erhielten eine Reaktion von der Reederei Stern und Kreisschiffahrt:

    “Der Vorgang wurde von der Wasserschutzpolizei aufgenommen. Das Ermittlungsergebnis liegt uns nicht vor. Nach den uns vorliegenden Aussagen lag das Fehlverhalten beim Skipper des durchaus manovierfähigen Segelbootes. Dieser soll zum Ausweichen ein falsches Wendemanöver ausgeführt haben, durch das es zur Kollision gekommen ist. Glücklicherweise ist es weder zu Personenschäden noch zu nennenswerten Sachschäden gekommen.

    Die Regeln der auf allen Binnengewässern gültigen Binnenwasserstraßen-Verkehrsordnung werden von unseren Schiffsführern stets beachtet und eingehalten. Den Schiffsführern der Stern und Kreisschiffahrt wird seit Jahren durch die Wasserschutzpolizei immer wieder vorbildliches Verhalten bestätigt.”

  4. Ach, alles Unsinn. Sorry. Natürlich ist der ‘Berufsschifer’ formal im Recht. Und seine Behauptung, der Segler sei manövierierfähig gewesen, ist von dem Selben schwer zu widerlegen, da die übrige Besatzung das ‘Dampfers’ dem Kaptain nicht widersprechen wird. Tatsache ist aber auch, dass ich schon mehrfach erlebt habe, wie gernervt und überheblich diese ‘Busfahrer der Seen’ mit uns Sportbootfahrern umgehen. Ich selbst bin von einem Ausflugsdamper in der ‘Potsdamer Neuen Fahrt’ an die Kaimauer gedrückt worden. Ich hatte keinerlei Möglichkeit auszuweichen, trotz starkem Motor. Der Berufsschiffer hätte einfach 10 Sekunden seine Fahrt verlangsamen können. Aber dazu sind diese ‘Busfahrer’ zu arrogant. Sie wissen sich im Recht und setzen es mit ihrer deutlich größeren Tonnage arrangont und rücksichtslos durch. Hier ist gemeinsame Rücksichtname und vielleicht sogar der Gesetzgeber gefragt.
    Kai

  5. Der Gesetzgeber wird nicht reichen. Die hier an andere Stelle gescholtene Wasserschutzpolizei ist gefragt, denn es gibt auf vielen Wasserabschnitten Geschwindigkeitsbegrenzungen, die für die Fahrgastschiffe nicht zu gelten scheinen. Gegen Feierabend sind sie gerne sehr flott auf dem Berlin-Spandauer-Schiffahrtskanal auf dem Weg zum Nachtliegeplatz oder auf der Spree unterwegs. Wellenschlag vermeiden? Das gilt dann nicht mehr. Sportboote können dann schnell in Bedrängnis geraten. Was spricht gegen gelegentliche Speedkontrollen mit Laser vom Ufer aus. Die Schiffsführer werden von ihren Arbeitgebern etwas zu hören bekommen, wenn sich die Verstöße häufen.
    Ich rede hier nicht von der Havel oder der Elbe. Ob man dort den einen oder anderen Kilometer zu schnell fährt, ist meistens egal. Stark genutzte Freizeitgewässer sind an den freien Tagen im Sommer das Ziel vieler Erholung suchender Leute. Eine angemessene Geschwindigeit ist gefragt. Da darf die Wasserschutzpolizei gerne mal einen Dampferfahrer darauf aufmerksam machen und ein wenig bremsen.

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