Dunkle Wintertage und Boote

Weihnachten ist vorüber und in wenigen Tagen wird der Jahreswechsel vollzogen sein. Theoretisch werden die Tage bereits länger, doch davon ist noch nichts zu spüren. Gegen 16:00 Uhr beginnt die Abenddämmerung und kurz danach ist es dunkel. Die wenigen hellen Stunden sind ausgefüllt mit (un-)erwünschten Festtagsangelegenheiten, familiären Freuden und Tragödien,  Einkaufen, Begegnungen mit anderen und viel zu kurzen Spaziergängen, bevor bereits nachmittags die Nacht anbricht.

Die diesjährige Wassersportsaison liegt längst hinter uns. Seit zwei Monaten befinden sich die Boote in den Winterlagern verhüllt unter Planen oder aufgebockt in Hallen. Bis zum erneuten Zuwasserlassen der Boote in drei Monaten liegt der bisher ausgebliebene Wintereinbruch mit Frost, Eis und Schnee noch vor uns. Im Wassersportrevier Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern ist er bislang ausgeblieben. Es gab kaum Nachtfröste; eigentlich hätten die Boote im Wasser bleiben können. Doch niemand konnte dies vorhersehen. Im Gegenteil, vor wenigen Wochen kündigten Experten einen langen und harten Winter an, weil sie beobachtet hatten, dass Tiere, die für den Winter Futter sammeln, sehr aktiv waren und angeblich mehr als sonst einlagerten. Die Tagespresse darf solche Vermutungen ungestraft öffentlichen. Meist sind sie nach wenigen Tagen vergessen und steht eher die interessante Frage an, ob und wann die wirklich winterlichen Temperaturen erreicht werden.

Marina am Tegeler See

Marina am Tegeler See

Ein holländisches Magazin für den Verkauf von Booten beschreibt die zurückliegende Wassersportsaison als hervorragend im Gegensatz zu den Vorjahren, in denen das Wetter nicht mitspielte. In vielen Binnenrevieren Deutschlands sah es anders aus. Ein langer kalter Winter verzögerte das Einsetzen der Boote um zwei Wochen. In einigen Teilen Deutschlands gab es katastrophales Hochwasser, im Sommer folgten einige sonnige und heiße Wochen und danach eine längere Periode mit wechselhaftem Wetter. Wenn auf den Wetterbericht kein Verlass war, dann in diesem Jahr, in dem sich kaum eine Prognose als realistisch erwies. Die gewerblichen Akteure des Wassertourismus mussten aufgrund der Verunsicherung, die durch das Hochwasser entstand, Stornierungen und zögerliche Buchungen hinnehmen.

Erst Mitte Februar wird das Längerwerden der Tage spürbar. Dann beginnt das Hoffen auf warme Tage, die es ermöglichen, Reparaturen am Unterwasserbereich der Boote vorzunehmen. Sie sind wegen der verwendeten Materialien erst ab 14° möglich. Zudem wird Tageslicht benötigt, das momentan nur äußerst spärlich vorhanden ist. Das hält Petrus nicht davon ab, uns reichlich mit Wolkendecken zu versehen, welche die Tage trübe machen. Wer damit ein Problem hat, mag an die Winter in Finnland, Alaska oder im nördlichen Russland denken. Kein Wunder, dass dort im Winter reichlich Hochprozentiges gesoffen wird, um außerhalb der notwendigen Tätigkeiten etwas Ähnliches wie einen mentalen Winterschlaf zu erreichen.

Wasserschutzpolizei auf leerem Gewässer

Wasserschutzpolizei auf leerem Gewässer

Zurück zu den Booten. Ideal wäre nun ein eisfester alter Schlepper oder Fischkutter mit gemütlich beheizbaren Räumen, um auch in dieser Jahreszeit auf dem Wasser fahren zu können, das derzeit wie leergefegt ist von den Sportbooten. Entspannter als jetzt kann man nicht fahren. Nur gelegentlich werden einem einige Berufsschiff begegnen. Die Fahrgastschiffe liegen fest vertäut an ihren Winterplätzen. Einige wenige hartgesottene Angler werden dick vermummt in Ufernähe auf ihren Kähnen hocken, ebenso regungslos wie der Fischreiher auf einem Pfeiler in der Nähe. Ansonsten gehören die Wasserflächen der überwiegend freizeitlich genutzten Reviere den Wasservögeln. Manchmal tuckert ein Boot der Berliner Wasserschutzpolizei auf der Suche nach Beschäftigung auf der Spree, Havel, einem Kanal oder einem innerstädtischen See. Im Winter ist das ruhiges, fast ereignisloses Programm.

Ein Freund meldet sich: „Wollen wir zur Müritz fahren? Wir können wintersegeln.“ Diese Vokabel umschreibt ein strammes Programm. Die frühmorgendliche Fahrt in der Dunkelheit von Berlin an die Müritz. Das zu Wasser Lassen des im Bootshaus auf Balken liegenden hölzernen Jollenkreuzers, die Fahrt bei zu kühlen, klammen Wetter auf der Müritz ohne die sommerlichen Möglichkeiten des Anlegens und der Einkehr unterwegs. Danach wird das Boot erneut aus dem Wasser gezogen und winterfest gelagert. Nein danke! Das ist zuviel in dieser Jahreszeit.

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