Boot gechartert und schlechtes Wetter. Was nun?

Wer ein Boot chartert, rechnet mit gutem Wetter. Die Reise auf der mecklenburgischen Seenplatte oder den brandenburgischen Gewässern soll erholsam sein. Der Urlaub ist kostbar. Mit dem Boot unterwegs sein, baden, sonnen, Spaziergänge Land, der abendliche Ausklang bei einer guten Mahlzeit zum Sonnenuntergang; dies alles ist abhängig vom passenden Wetter. Der Spruch, „Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung.“, ist ein dummer Trostversuch, wenn man sich auf das gecharterte Boot bei Regen und grauem Himmel begibt. In der Schifffahrt besteht bei ‚unsichtigem Wetter‘ eine Ausrüstungspflicht mit UKW und einem zugelassenen Radargerät nebst den dafür vorgeschriebenen Berechtigungen. Sonst besteht praktisch ein Fahrverbot. Das macht keinen Spaß.

Regentropfen am Kabinenfenster

Regentropfen am Kabinenfenster

Niemand zwingt jemanden dazu, ein gechartertes Boot tatsächlich zu benutzen. Bei schlechtem Wetter kann man zuhause bleiben. Aber die Chartergebühr ist teilweise oder ganz weg, sagen die Stornoklauseln. Wer kurzfristig absagt, zahlt in der Regel den vollen Preis, falls sich kein Ersatz anmeldet. Einige Charter-Betriebe empfehlen deshalb, eine Reiserücktrittsversicherung abzuschließen. Sie tritt dann ein, wenn der Charterer eines Sportbootes durch triftige Gründe, beispielsweise Krankheit, ausfällt, aber nicht, wenn aufgrund des schlechten Wetters die Lust zum Antritt der Reise vergangen ist. Okay, man könnte mit dem Hausarzt tricksen, doch ist das, milde ausgedrückt, nicht der richtige Weg.

Man kann die Bootsvermieter verstehen. Sie haben beträchtlich investiert, keinen Einfluss auf das Wetter und müssen die Buchungen ihrer Schiffe koordinieren. Ein Boot zu reservieren, bedeutet gleichzeitig, es für andere Verwendungen zu blockieren. In der Tourismusbranche ist ein Trend zu kurzfristigen Absagen spürbar. Es ist klar, dass die gewerblichen Anbieter, die sich daraus ergebenden Risiken nicht tragen wollen und können. Beim kurzfristigen Reiserücktritt ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ein Boot im Hafen bleibt und keine Einnahmen erwirtschaftet. Andererseits sind Kunden zu verstehen, die kurz vor Antritt einer Reise bei einem ungünstigen Wetterbericht, der den ersehnten Urlaubsfreuden entgegensteht, das Boot nicht in Anspruch nehmen möchten. Im günstigen Fall wird die Fahrt verschoben. Die Charterbetriebe möchten einen schlechten Ruf vermeiden und ihre Kunden behalten. Wenn möglich, werden Kompromisse angestrebt.

Blicken wir mal zurück: 2011 wurde der Wassertourismus in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern ausgerechnet während der Sommerferien durch Hochwasser nach vielen Regenfällen empfindlich beeinträchtigt. Diverse Schleusen in der Region waren geschlossen. Die Boote konnten nicht weiter. Auf circa 45 km Länge war die Havel in Brandenburg komplett für die Schifffahrt gesperrt. Treibgut gefährdete die Schleusen und Schiffe.

2012 zeigte sich das Wetter wechselhaft. Von einem Sommer mit konstantem Hochdruckgebiet, Hitze und viel Sonne konnte keine Rede sein. Die Sonnenscheinstunden waren unterdurchschnittlich während die Niederschläge über dem Durchschnitt der vorherigen 20 Jahre lagen.

2013 erlebte Deutschland einen verlängerten Winter. Viele Boote wurden wegen Eis zwei oder mehr Wochen später als geplant von ihren Winterliegeplätzen an Land ins Wasser geslippt oder gekrant. Der April und Mai waren ungewöhnlich kühl, wolkig und regnerisch. Man meinte fast, dass der Frühling ausfiel und im Juni wurden weite Teile Deutschlands von einer Hochwasserflut getroffen.

Die Unvorhersehbarkeit des Wetters mit dem Risiko, schlechtes zu erleben, ist ein nicht zu unterschätzendes Problem für Urlauber und die gewerblichen Akteure des Wassertourismus. Eine Versicherung für eine Reiseabsage wegen schlechten Wetters gibt es nicht. Wenn die Medien tagelang Katastrophenmeldungen über Hochwasser veröffentlichen, schrecken sie Interessierte generell ab, obwohl viele schöne Reviere nicht betroffen sind.

Wie erlebten dies während einer viertägigen Tour vom 7. bis zum 10. 6. 2013 auf der Havel zwischen Berlin, Potsdam und Ketzin. Die Bedingungen waren bestens, aber die Zeitungen voll mit Bildern und Meldungen über die aktuell überschwemmten Regionen in anderen Teilen Deutschlands. Die Ungewissheit, ob und welches Revier betroffen war, hielt viele Skipper ohne eigenes Boot davon ab, die schönen Tage auf dem Wasser zu nutzen. Wir sahen nur wenige Charterboote. Von den sonst so zahlreich von Potsdam ausschwärmenden Abenteuerflößen mit braunen Holzhütten entdeckten wir nur ein einziges in Fahrt. An einer Verleihstelle in Potsdam lagen 15 dieser Flöße ordentlich in einer Reihe nebeneinander.

Vom Wirtschaftsverband Wassersport erfuhren wir, dass Einbußen durch schlechtes Wetter spürbar sind. Dies betrifft vor allem die Kernzeit im Sommer und besonders die Tagescharter sowie Wochenendbuchungen. Längere Charterverträge werden wesentlich früher, also bereits im Herbst und Winter des Vorjahres für das Folgejahr abgeschlossen. Sie sind deswegen nicht so stark betroffen. Andererseits nimmt die Nutzung in der Vor- und Nachsaison zu.  Dennoch bereitet das Wetter der Branche Sorge. Zwei schlechte Sommer sprechen sich unter den Urlaubern herum.

Grund zu Optimismus sieht der Wassertourismus in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern in den örtlichen Gegebenheiten. Im größten Binnenwassersportrevier mit über 5000 befahrbaren Seen und 3600 km an Flüssen und Kanälen ist die Wasserqualität sehr gut. Statistisch gesehen, gelten Berlin und Brandenburg als relativ niederschlagsarm.

Eine Antwort auf: Boot gechartert und schlechtes Wetter. Was nun?

  • Ein guter Artikel. Die Positionen von beiden Seiten, Vermieter und Segler, werden auf sehr vernünftige und verständliche Art und Weise dargestellt. Beide Parteien sind halt einfach vom guten Wetter abhängig, damit ein Segeltörn zum unvergesslichen Erlebnis wird.

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