Der Liegeplatz im Hausboothafen

Die deutsche Hauptstadt Berlin ist mit reichlich Gewässern und Ufern ausgestattet. Der Wassersport hat einen hohen Stellenwert. Wir spielten mit dem Gedanken, uns ein Boot zu kaufen und einen passenden, nahe gelegenen Liegeplatz zu suchen. Den Grad unserer Entschlossenheit konnte man am besten mit Sondierungsphase beschreiben.  Immerhin war er so weit gediehen, dass wir uns eines Sonntags auf den Weg machten, um entlang des Saatwinkler Damms und am südlichen Tegeler See Wassersportvereine und Bootsanlegestellen aufzusuchen, um Boote und Liegeplätze zu besichtigen. Wir bogen von der Seestraße in den Saatwinkler Damm ab und hielten auf dem Parkplatz von Aldi, der unmittelbar an das Gelände eines Hausboothafens angrenzte. Hier sollte unsere Suche beginnen. Am Wasser sahen wir einen jungen Mann auf einer Art Ponton aus irgendwie zusammenhaltenden Tonnen mit einer Hütte obendrauf. Huckleberry Finn hätte sich heimisch gefühlt. Der Mann hatte ein Marmeladenglas in der Hand, putzte sich seelenruhig die Zähne und spülte seinen Mund aus. Die Hütte war sein zugleich sein Atelier. Zwei Kajaks waren daran festgemacht.  Er verwies uns an jemanden, der den ‚Hafen‘ betrieb und beschrieb uns den Weg zu ihm. Der ‚Hafenmeister‘ fuhr eine Harley Davidson, hatte am Ufer einen großen Schuppen, der als Werkstatt diente und wohnte selbst auf einem Hausboot.

Berlin. Hausboote beim Westhafen

Berlin. Hausboote beim Westhafen

Die Harley stand da und hinter dem Bootshausfenster war eine Bewegung erkennbar. Ein freundlicher Typ in lederner Motorradweste erschien und lud uns zum Plausch in sein Hausboot ein. Innen war es erstaunlich gemütlich und warm. Unsere Frage nach einem Liegeplatz für ein Sportboot beantwortete er abschlägig. Ein Gruppe Hausboote aus Treptow hatte Kündigungen für ihre Liegeplätze erhalten und suchte nach einer Ausweichmöglichkeit. Im kommenden Sommer sollten zusätzliche Stege mit allen Anschlüssen für weitere Hausboote gebaut werden. Dann wäre kein Platz mehr für kleine Sportboote vorhanden. Er gab uns den Rat, woanders einen Liegeplatz für ein Sportboot zu suchen, da die Infrastruktur in den einschlägigen Vereinen und Marinas besser sei.

Trashiger Hafen beim Berliner Westhafen

Trashige Ansammlung von Booten beim Berliner Westhafen

Er hatte zwei Boote im Angebot. Ein kleines Aluminiumboot mit Außenborder und eine 9,5m lange Chris Craft, die für den Außenborderbetrieb umgebaut wurde. Ein im Wedding lebender Kumpel hatte etwas mit Außenbordern zu tun und kam an verbilligte Ausstellungsware ran. Der konnte für die Chris Craft einen nagelneuen 90 PS Motor besorgen.  Auf meine Frage, ob so ein Boot für Anfänger geeignet sei, erfuhren wir: „Natürlich, warum nicht? Mit 90 PS bekommt ihr das Boot auch zum Gleiten.“ Uns schwebte eher ein gemütlicher Verdränger vor, der gemächlich vor sich hintuckerte.

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