Corona Virus und Boot fahren in Berlin

Am 14.3.2020 wurden wegen des Virus Covid-19 (Corona) in Berlin Beschränkungen für Sportanlagen erlassen, zu denen auch Wassersportvereine gehören. Sie wurden von den Sportboot-Verbänden und den Verantwortlichen in den Vereinen so verstanden, dass letztere zu schließen waren, weil alle Aktivitäten dort dem Vereinszweck dienten, nämlich dem Wassersport.

Anders war die Lage bei den gewerblichen Betreibern von Steganlagen. Sie hatten individuelle Vertragsverhältnisse mit ihren Kunden, die jeweils einen Liegeplatz für ihre Boote mieteten und zusätzlich Bereiche wie Toiletten und Spinde oder Parkplätze auf dem Gelände nutzten. Daher waren das keine Sportvereine und somit auch keine zu schließenden Sportanlagen.

Während die für Ende März oder Anfang April 2020 geplanten Slip- und Krantermine in den Vereinen größtenteils abgesagt wurden, konnten die Boote in den gewerblichen Marinas unter Beachtung der Einschränkungen hinsichtlich Zusammenkünfte und Abstände zwischen Menschen noch ins Wasser gebracht werden.

Gesperrt wegen Corona

Unklar blieb jedoch, ob diese Boote auch genutzt werden konnten. Der Individualsport zur Erholung und dem Erhalt der Fitness war auch nach einer Verschärfung der Einschränkungen vom 21.3.2020 noch möglich. Mediziner hatten das empfohlen, weil bei einer Erkrankung durch Corona das Herz-Kreislaufsystem für einige Tage stärker gefordert sein konnte als sonst und es daher nicht sinnvoll gewesen wäre, Menschen in die häusliche Quarantäne zu schicken, ohne die Möglichkeit, Spaziergänge zu machen, Fahrrad zu fahren oder zu joggen. Genauso wenig sprach etwas gegen alleine paddeln oder Boot fahren.

Wie sollte das in der Paxis aussehen? Grundsätzlich war Berlin hinsichtlich seiner eigenen Vorschriften relativ tolerant. Beispielsweise stand die Polizei selten sofort auf der Matte, wenn jemand sich um 22:10 Uhr über laute Musik des Nachbarn beschwerte. Aber nach mehreren Anrufen und spätestens ab Mitternacht konnte man mit ihr rechnen.

Natürlich war die Berliner Polizei auch initiativ aktiv. So fuhr sie seit Ausbruch der Corona-Krise durch Parks, um zusammen hockende Gruppen aufzufordern, sich aufzulösen. Auch hörte man, dass sie diverse Betreiber von Restaurants und Bars mahnen musste, diese zu schließen. Beispielsweise hatte ein Lokal zwischen Schrebergärten und Liegeplätzen am Tegeler See auf dem Gehweg eine Tafel aufgestellt, die besagte, dass es trotz Corona weiterhin geöffnet war.

Zwei Polizisten auf Fahrrädern entging diese Mitteilung nicht, woraufhin sie dem Lokalbetreiber die aktuelle Rechtslage freundlich aber bestimmt mitteilten und ihm nahelegten, diese auch zu beachten. Das ging ohne Druck und Stress. Die Botschaft wurde verstanden. Das Lokal wurde geschlossen.

Zurück zu den Liegeplätzen. Während in den Wassersportvereinen Totentanz herrschte, begaben sich einige Bootseigner, deren Boote an den gewerblichen Stegen im Wasser lagen, in die Häfen. Dort herrschte üblicherweise dieselbe Stimmung wie in den Vereinen, weil die Nutzer sich oft schon mehrere Jahre kannten, miteinander Freundschaften geschlossen hatten, gemeinsam grillten und ihre Bierchen tranken. Es war für viele nicht leicht, ihr Verhalten im Hafen den Corona-Einschränkungen anzupassen. Abstand halten, sich nicht umarmen, nicht die Hände zu schütteln und keine Gruppen zu bilden.

Einige Leute waren anstrengend, weil sie die Nähe suchten. Es war auf dem Gelände nicht leicht, ihnen aus dem Wege zu gehen. Selbst auf den schmalen Stegen zwischen den Booten, also auf etwa 30 cm breiten Brettern, konnte man vor ihnen nicht sicher sein, weil sie anderen ungefragt folgten, um zu plaudern.

Während die einen das relativ schnell verstanden, brauchten andere länger. Corona wurde völlig unterschiedlich bewertet und wahrgenommen. In den Medien wurde sie zwischen harmlos bis extrem gefährlich dargestellt. Es gab viele verschiedene Blickwinkel und Meinungen. Ein verwirrendes Bombardement aus Meldungen, die Laien gar nicht bewerten konnten, schuf Stimmungen zwischen Gleichgültigkeit, Ignoranz, Hysterie und Angst. Apokalyptische Meldungen besagten, dass die Krankenhäuser am 27.3.2020 ihre Kapazitätsgrenzen erreichen sollten durch Corona-Patienten, die intensiv und mit Beatmungsgeräten betreut werden mussten. Doch waren wir an dem Tag weit entfernt davon.

Zurück in den Hafen. Mein Boot lag bereits knapp zwei Wochen vor dem zuvor vereinbarten Termin im Wasser. Der Hafenmeister hatte das kurzfristig entschieden. Er wollte alle Boote im Wasser haben, bevor ihm Corona-Vorschriften dies untersagten.

Die Frage war jetzt, was durfte man mit den Booten im Wasser machen? Konnte man mit ihnen fahren? Am 26.3.2020 rief ich in der Wasserschutzpolizei West an, gelegen an der Havel in Berlin-Spandau.

Ein freundlicher Polizist teilte mir mit, dass das Fahren einzelner Personen oder zu zweit mit einer anderen im Haushalt lebenden Personen zu Erholungszwecken möglich war. Sportliche Veranstaltungen waren untersagt, also Wettfahrten, Regatten oder Mannschaftsspiele wie Wasser-Polo.

Ich fragte ihn, ob ich mit meinem Wagen auf direktem Wege zum Boot fahren durfte. Er bejahte das mit der nochmals wiederholten Einschränkung, dass ich alleine fahren musste oder mit einer im Haushalt mit mir lebenden Person. Durfte ich als Journalist mein Boot nutzen, um vom Wasser aus den lahmgelegten Wassersport zu dokumentieren. Es war sonst ja nicht möglich, die Boote an Land unter Bäumen zu fotografieren, die anfingen, Blätter auszutreiben. Kein Problem, meinte er, nehmen Sie Ihren Presseausweis mit.

Nicht alle Fragen waren damit geklärt, aber es war erkennbar, dass die Wasserschutzpolizei sich nicht pedantisch um Sportboote kümmern würde, da die vielen Wassersportvereine und Bootsverleiher geschlossen waren und wenn die übrigen Leute Gruppenbildungen und Zusammenkünfte vermieden.
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PDF zum Download:

Offizielle Informationen der Berliner Wasserschutzpolizei  zum Thema Wassersport trotz Covid-19

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