Die versunkenen Lastkähne am Niederneuendorfer See

Ab der Insel Valentinswerder verläuft der Fluss Havel durch Berlin zunächst zwischen Spandau und Tegelort, dann entlang der Neuendorfer Heide auf der linken Seite und Konradshöhe auf dem gegenüberliegenden Ufer weiter bis zum Nieder-Neuendorfer See, der von einer weit in ihn hineinragenden, lückenhaften schmalen Landzunge geteilt wird.

Dem Boot stehen drei Möglichkeiten für die Weiterfahrt offen. Linkerhand geht es in den Havel-Kanal nach Paretz, Geradeaus, sich links haltend, gelangt man auf die Havel-Oder-Wasserstraße (HOW) und rechts in den Nieder-Neuendorfer See (auch Niederneuendorfer See), der bald endet. Den Bootsfahrern wird die bereits genannte Landzunge auffallen. Sie erscheint wie eine baumbewachsene Inselgruppe mit kleinen und größeren Lücken bis zum Erreichen des Waldes auf den sogenannten Schwimmhafenwiesen. Beim genauen Betrachten der Oberfläche zwischen den Inseln sind einige aus dem Wasser ragende Gegenstände zu sehen. Ein Gefieder putzender Schwan scheint auf dem Wasser zu stehen. Er läßt die Untiefe ahnen, die merkwürdigerweise nicht mit warnenden Tonnen oder den üblichen gestreiften Stangen markiert ist, die auf Hindernisse hinweisen. Ein ahnungsloser Bootsfahrer könnte durch eine Lücke vom Nieder-Neuendorfer See in die Havel-Oder-Wasserstraße oder umgekehrt fahren wollen und eine böse Überraschung erleben, wenn das Boot auf den festen Grund stößt, der nicht aus weichem Sand besteht, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Metall. Des Rätsels Lösung liegt in der Geschichte dieses Ortes.

Niederneuendorfer See

Niederneuendorfer See

1945 verlor Deutschland den zweiten Weltkrieg und wurde in besetzte Zonen aufgeteilt. Berlin wurde zur geteilten Stadt. Der Kalte Krieg führte zum Eisernen Vorhang.

Flüsse und wichtige Binnenwasserstraßen nahmen nicht immer Rücksicht auf die Grenzlinien zwischen den Besatzungszonen. Die Grenzen verliefen durch Gewässer, wie den Nieder-Neuendorfer See, dessen westliche Seite in Brandenburg eine Fortsetzung des Havel-Oder-Kanals bildete, während die östliche Seite zu Heiligensee in West-Berlin zählte.

Der Schiffsverkehr auf der Havel führte durch den westlichen Teil Berlins, was im Sowjetischen Sektor nach der gescheiterten Blockade Westberlins (1948 / 1949) auf wenig Gegenliebe stieß. Daher wurde von 1951 bis 1953 im Eiltempo der Havel-Kanal gebaut, ein Abzweig von der Havel-Oder-Wasserstraße, der den Binnenschiffsverkehr der DDR um West-Berlin herum leitete.

Zur Absicherung der Grenzen wurde am Abzweig des Oder-Havel-Kanals zum Havelkanal ein Kontrollpunkt für die sektoren- und grenzüberschreitende Binnenschifffahrt geschaffen.

Versenkter Lastkahn

Versenkter Lastkahn

Das Heck ragt aus dem Wasser

Das Heck ragt aus dem Wasser

weiterlesen …

Eine Antwort auf: Die versunkenen Lastkähne am Niederneuendorfer See

  • stefan lippeck

    Lieber Herr Gade,

    ich hab das gerade entdeckt, was sie da im Niederneuendorfer See photographiert haben und finde das sehr spannend.
    Ich arbeite als redakteur für die Berliner Abendschau. Ich würde das gerne mal filmen. Meine Frage: haben sie ein Boot und würden mit mir und einem Kamerateam mal da hin fahren und diese versenkten Lastkähne drehen und etwas dazu erzählen?

    Mit freundlichen Grüßen
    S. L.

Schreibe einen Kommentar

Du kannst diese HTML tags verwenden

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

  

  

  

Löse die Aufgabe: *