Reiseberichte von Bootsfahrern
© Thomas GadeDiese Buchtipps stammen aus dem alten Oxly-Blog und wurden um 2012 geschrieben.
'Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern' von Karl-Heinz Sauer
Reisebericht - Sechs Monate unterwegs - Kattegat, Skagerrak, Belt und Sund.Karl-Heinz Sauer ist nach über 20 Jahren in der Binnenschifffahrt nur noch privat auf dem Wasser unterwegs. Im Jahre 2010 begibt er sich mit seinem 8 Meter Motorboot 'Molly' in Begleitung seines Hundes Skip auf eine längere Fahrt. Sechs Monate bereisen sie das Kattegat, das Skagerrak, sowie die Belte und den Sund. Sie laufen 113 Häfen an und erkunden, wo immer möglich, die Buchten und Fjorde, um auch küstenfernere Orte zu entdecken. Viel Interessantes erleben sie auf dieser Reise, nicht zuletzt einen gefährlichen Ausfall des Motors bei stürmischer See. Nur mit Hilfe eines dänischen Skippers und dessen Kutter können sie aus der lebensbedrohlichen Situation gerettet werden und die Reise fortsetzen.
Spannendes, aber auch Unterhaltsames ereignet sich auf ihrem gut 2.000 Meilen langen Weg. Seine Reiseerlebnisse beschreibt Karl-Heinz Sauer in seinem Buch: "Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern…". Man erfährt viel über die besuchten Orte und erhält Anregungen für eigene Reisen. Wer sich für Wasser und Boote interessiert, wird das Buch als Planungsunterlage für den eigenen Törn oder als unterhaltsame Lektüre für gemütliche Abende an Bord oder zu Hause schätzen.
Motorboot 'Molly' in Lillehavn
Begleiten Sie die 'Molly' und ihre Besatzung auf ihrer Tour zwischen Oslo, dem Westausgang des Skagerraks und Malmö. In Dänemark folgt noch ein Abstecher in den Roskildefjord bevor es zurück nach Deutschland geht. Die Oste und die Fahrt durch den Hadelner Kanal bilden einen angemessenen Abschluss der Reise bevor sie am Startpunkt in Wilhelmshaven endet.
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Das Buch kann über den Buchhandel oder direkt beim Autoren (chriskasauer@web.de) bezogen werden. "Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern." Taschenbuch, Dezember 2010, ISBN: 978-3-942693-36-3. 306 Seiten, davon 46 mit farbigen Abbildungen und übersichtskarte, Preis: 16,40 € + VersandkostenLeseprobe
"Da die Wetteraussichten in Bezug auf Wind sehr ungünstig für die nächsten Tage ausfielen, wollte ich noch zum Oslofjord. Genauer gesagt an die Nordseite der Insel Tjoeme. Dazu musste ich zum Toensbergfjord und dann nach Norden bis zum Fahrwasser Vrengen. Bei Südwest um sechs, dachte ich, dass nach gut vier Meilen, wenn ich den Fjordeingang erreicht habe und nördlicheren Kurs steuern kann, das Schlimmste hinter uns läge.Weit gefehlt. Zuerst wurde mir deutlich klargemacht, wie lange vier, fünf Meilen sein können. Trotz Warnung im Revierhandbuch hatte ich mich entschieden das kürzere Fahrwasser durch die Baatleia zu nehmen. Diese Entscheidung war eindeutig die falsche.
Zwischen den Felsen und Riffen kochte die See förmlich. Meine Hände waren feucht vom Schweiß und ich betete immer nur vor mich hin: Lass uns hier heil raus kommen. Beim Blick nach achtern konnte ich oft keinen Horizont erkennen, nur eine beängstigende, stahlgraue Wasserwand. Gut drei Meter betrug die durchschnittliche Wellenhöhe. Die ganze Zeit über redete ich entweder mit Skip oder sagte laut zu mir selbst: "Da ist die Bake, dort kann ich abfallen, mehr Steuerbord" und so weiter.
Auch nach Erreichen des Toensbergfjordes besserte sich nichts an den Verhältnissen. Rund um uns herum geiferten mit weißen Schaumkronen gekrönte Wellen, die uns vor sich her trieben. Voraus kam eine kritische Stelle. Zwischen einem Riffgebiet und der felsigen Küste betrug die Durchfahrtsbreite maximal fünfzig Meter. Mit gut acht Knoten Fahrt surften wir auf die Enge zu. Immer wenn die Wellen unter uns hindurch liefen, verlor "Molly" kurz ihre Steuerfähigkeit und schoss aus dem Ruder. Ich kurbelte wie verrückt am Steuerrad, um uns auf Kurs zu halten. Genau in der Durchfahrt befand sich unter Wasser eine Felsbarre, wo der Grund von vierzig auf rund neun Meter Wassertiefe anstieg. Die vom Skagerrak herein pressenden Wellen türmten sich dort gewaltig auf. Als wir zwischen diesen Wellenbergen hingen, konnte man glauben wir stehen auf der Stelle. Hoch aufgerichtet ragte unser Bug in den Himmel. Dann ging ein Ruck durch das Boot und wir schossen vorwärts. Endlich lag die gefährliche Enge hinter uns. Es wurde etwas besser aber bis weit in den Fjord hinein blieb die See extrem aufgewühlt. äußerst unangenehm waren die immer wieder plötzlich auftauchenden Bojen von Fischreusen. Diese konnte man oft erst dreißig bis vierzig Meter vor dem Bug erkennen.
Schließlich erreichten wir das Fahrwasser an der Westküste von Tjoeme. Die See beruhigte sich und kurze Zeit später war alles nur noch wie ein schlimmer Traum. Ich hatte Knie wie Pudding. Früher hatte ich nie geglaubt, wenn es hieß: "Dem schlottern die Knie vor Angst", dass das örtlich zu nehmen wäre. Jetzt weiß ich es besser. "
Acht Länder, 98 Häfen
Ostseerundreise solo mit dem Motorboot
Karl-Heinz Sauer erfüllt sich 2008 einen lang gehegten Traum. In Begleitung seines Hundes "Skip" umrundet auf seinem 8 Meter Motorboot 'Molly' in knapp sechs Monaten die gesamte Ostsee einschließlich der Bottensee. Ohne dem Hund nahetreten zu wollen, ist das für die einköpfige aktive Besatzung eine stramme Leistung, die sich nicht jeder zugetraut, aber der Schiffsführer war über 20 Jahren in der Binnenschifffahrt tätig und kennt sich aus.
Karl-Heinz Sauer auf seinem Motorboot
'Am schönsten war es überall' von Karl-Heinz Sauer
Unterwegs begegnet er fremden Menschen und erlebt vieles, das er in seinem Buch "Am schönsten war es überall" beschreibt. Es erzählt die Geschichte der über 6.000 Km langen Reise, die durch acht Länder und über 98 verschiedene Häfen führt, aber auch die persönlichen Veränderungen, die solch eine Reise auslösen.
Abendstimmung an der Ostsee
Das Buch entführt den Leser in bekannte Städte wie Danzig, Klaipeda, Riga, Tallinn, Helsinki oder Stockholm und in die dünn besiedelten Gebiete der nördlichen Bottensee bis hoch nach Lappland. Viel Interessantes wird vom Autoren über die besuchten Orte in den spannenden Reisebericht integriert. Als große Besonderheit dieser Reise zählt, dass sie Solo und mit einem nur 8 Meter langen Motorboot absolviert wird. üblicherweise werden solche Reisen mit Segelbooten durchgeführt. Nur in seltenen Fällen wagen auch Motorboote dieser Länge diese ungewöhnliche Reise.
Fotos: Karl-Heinz Sauer
"Am schönsten war es überall" ist direkt beim Autoren zu bestellen: chriskasauer@web.de
268 Seiten, über 130 Abbildungen, davon 117 farbige und übersichtskarte Preis: 14,90 Euro + Versand
MS Beluga in Gallien
Auf nassen Pfaden zum Eiffelturm
Buchtipp: Die Crew der Motoryacht 'Beluga' fährt im Sommer 2009 nach Gallien. Die Reise führt vom Rhein über Mosel, viele Kanäle und zahllose Schleusen mitten hinein ins Herz von Frankreich. Paris, die Stadt an der Seine, Frankreichs prächtige Hauptstadt mit ihren faszinierenden Brücken, ist eines der Ziele, die man erkunden will. Weiter geht die Reise per Boot an die Loire und ins Burgund. Doris Sutter, die Autorin, bietet einen Überblick über die faszinierende Vielfalt unterschiedlichster Landschaften, die man über reizvolle Wasserwege entdecken kann. Sie beschreibt die Landschaften, die idyllischen Dörfer und Städte entlang der Flüsse und Kanäle, sowie ihre typischen Sehenswürdigkeiten.
Auf der Seine in Paris. Der Eiffelturm in Sicht
Mit ausführlichen Details schildert Doris Sutter die Kanäle mit all ihren Besonderheiten und spart nicht mit praktischen Tipps. Wo gibt es Supermärkte in der Nähe der Anleger? Wo übernachtet man kostenlos? Und was ist sehenswert entlang der Strecke? Humorvoll schildert Doris Sutter auch die kleinen persönlichen Unbilden des Bootfahrerlebens.
Auf der Seine durch Paris shippern
Wenn im brüllend heißen Sommer der BELUGA-Skipper auf die geniale Idee kommt, seinen Grill im seichten Uferwasser aufzubauen, kann das doch nur in einer Beinahe-Katastrophe enden. Wie wehrt man sich, wenn der Kapitän eines Hotelschiffes meint, dass ihm der Kanal samt Anlegeponton alleine gehört? Wie groß können Augen werden, wenn ein Kanaltunnel an einem Wasserfall endet …?
Aus dem Buch: " … Und dann haben wir sie erreicht: Île de la Cité, die Wiege von Paris.
Hier ist der Verkehr ampelgeregelt. Eine Begegnung großer Schiffe wäre unter den schmalen Brückenbogen kaum möglich. Und Verkehr gibt es hier! Es wimmelt nur so von Ausflugsbooten und Bateau mouches. Für den Schiffsführer kein Vergnügen. Er kann die Umgebung kaum genießen. Der Seine-Arm ist hier sehr schmal, von hohen Wänden umgeben. Es gibt uns das Gefühl, in einem Burggraben zu fahren. Conciergerie, das berüchtigte Gefängnis der Revolution, und der Palast de Justice, ehemals die Residenz der ersten zwölf Kapetinger-Könige, beherrschen die Inselspitze. Die heilige Kapelle erhebt sich darüber. … "
Halb Törnführer, halb Reisebericht bietet "Beluga in Gallien" von Doris Sutter für jeden Leser Interessantes, Kurioses und Informatives, humorvoll erzählt. Für manchen eine Entscheidungshilfe bei der Frage, wohin die nächste Reise gehen soll. Aber für alle eine kurzweilige Lektüre.
Mohland Verlag, ISBN 978-3-86675-140-8 Seitenzahl 212, 13,00 Euro
Erhältlich im Buchhandel, bei der Autorin Doris@beluga-on-tour.de und bei Amazon
Von Deutschland nach Finnland und zurück
Sven Richter, Jahrgang 1978, aufgewachsen in Falkenberg/Elster verbrachte schon als Kind viel Zeit auf dem Wasser. Seine ersten Erfahrungen sammelte er auf dem Motorboot seiner Eltern und seiner Großeltern. Für ihn war immer klar, dass er später auch einmal ein Boot besitzen würde. Seinen Traum verwirklichte er im Erwachsenenalter. Zunächst erkundete er mit seinem motorisierten Schlauchboot den Schwielochsee bei Lübben im Spreewald. Später folgte das erste Motorboot mit kleiner Kajüte, die l'espoir, mit dem er auf der Elbe und der Mecklenburgischen Seenplatte unterwegs war.
Trimaran - Segelboot
Das nächste Boot war etwas größer und komfortabler, ein 6 m Motorboot, welches l'espoir II hieß. Die Reisen führten ihn von der Elbe durch Berlin bis an die Oder und im zweiten Jahr über die Ostsee nach Dänemark. Die hohen Benzinkosten waren schließlich im Jahr 2004 für Sven Richter der Auslöser, sich intensiver mit Segelbooten zu beschäftigen.
Weihnachten 2004 schenkte er sich die l'espoir III – einen 7,2 m langen Motorsegler, der ihn und seine Partnerin Katja mit dem "Segel-Virus" infizierte. Besonders das Zurücklegen größerer Etappen, mit dem Ziel andere Länder zu besuchen, faszinierte sie. So segelten sie mit der l'espoir III nach Kopenhagen, Stockholm und Oslo. Im September 2008 begann Sven Richter damit seine Erlebnisse in Form von Reiseberichten zu schreiben und auf seiner Homepage: www.lespoir-tri.wg.am zu veröffentlichen.
Trimaran vor Anker
Mit ihrem Boot l'espoir tri, einem elektrisch angetriebenen Trimaran, segelten sie 2010 nach Helsinki. Von dieser Reise handelt sein erstes Buch: Helsinki und zurück? Eine Reise auf dem Elektro-Segelboot. Es beschreibt die Reise des jungen Paares, welches von Deutschland über die Ostsee bis Finnland segelt. Die Abreise verzögert sich um einen Tag, da der Motor des Bootes, ein Prototyp, noch fertiggestellt werden muss. Dann läuft scheinbar alles nach Plan oder doch nicht? Die Zeit ist zu kurz, das Wetter sehr wechselhaft und die Technik unausgereift. Ein Stromausfall in den Schären in der Dämmerung ist nicht der einzige Vorfall.
Fahrt auf dem Containerschiff
Hans-Jürgen HaardtMonika und Hans-Jürgen Haardt unternahmen zwischen 2002 bis 2011 mit ihrem Boot Lena, einem 12,65 Meter langen Motorboot, diverse große Fahrten. Sie fuhren im Mittelmeer, überquerten den Atlantik, besuchten die Karibik, USA, Kanada und die Kanarischen Inseln. Zwischen 2002 und 2006 legten sie ca. 15.000 Seemeilen zurück. 2011 wurde das bewährte Boot in andere Hände gegeben, aber die See ließ das Ehepaar nicht los. Sie probierten eine Alternative zum eigenen Boot und fuhren auf dem Containerschiff MS Henneke Rambow mit. (30.8. - 5.9.2011)
Wenn man nicht der begeisterte Kreuzfahrer ist, kann man ja auch bei der Berufsschifffahrt mitfahren. Ganz ohne Unterhaltungsprogramm und nur zum Zuschauen, endlich mal wieder viel Wasser sehen und immerhin mit Vollpension. Ganz ohne irgendeine Verantwortung, eben nur als zahlender Passagier. Wir haben das eine Woche lang ausprobiert, vermittelt wurde die Tour von Pfeiffer-Reisen. Wir wollten eigentlich Richtung Finnland mitfahren, Hamburg, Kotka, Hamburg mit ein paar Häfen dazwischen. Aber wie das bei der Frachtschifffahrt so geht, wurde es dann Hamburg, Göteburg, Hamburg und statt 8 - 10 Tagen nur 6 Tage. Die Abfahrt verschob sich vom 27. 8. auf den 30. August. Nichts weltbewegendes, über die änderungen hat uns der Agent etwa eine Woche vor Abreise informiert.
Zu den Kosten: 765 Euro pro Person, abgerechnet wird taggenau. Die Rücküberweisung für die bei uns nicht genutzten drei Tage kam prompt und ohne jedes Problem. Die Vorabinfos des Vermittlers waren gut, im Internet gabs auch genug Reiseberichte etc. Soweit die Vorgeschichte. Wir haben uns also ins Auto gesetzt, von Winnemark nach Hamburg dauert es je nach Verkehrslage zwischen knapp zwei und sechs Stunden. Wir sind mit genug Reserven losgefahren, deswegen gab es keinen Stau und sonst was. Nur mein Navi war mit der Streckenführung am Containerterminal Altenwerder ziemlich überfordert. Immerhin waren wir gut eineinhalb Stunden vor dem Anlegen unseres Schiffes am Pförtner des CTA. Die erste Auskunft dort: nee, die Henneke Rambow kommt hier nicht hin. Zweite Antwort (nach leichter Intervention): Doch, sie kommt, wir sind sogar angemeldet, nur wann sie kommt?? Wir wurden zu der Bushaltestelle des Shuttle-Busses verwiesen, ein Parkplatz fürs Auto fand sich ganz in der Nähe auf einem Parkstreifen. Nach der ersten Stunde warten bin ich wieder zum Terminal-Pförtner, dort sah man sich völlig ausserstande, mal nachzuhören, wo die Henneke denn bleibt, Theoretisch sollte sie ja schon seit 15 Uhr angelegt haben. Die Frachter-Telefonnummer war nicht zu erreichen, also mal beim Vermittler nachgefragt. Dort kam relativ prompt die Antwort, dass wir wohl so gegen 16 Uhr an Bord könnten. Und so war es dann auch. Der kleine Bus brachte uns quer durch das Containerterminal direkt vor das Schiff, ein nettes Besatzungsmitglied begrüsste uns, schnappte sich die beiden Reisetaschen und schon waren wir die auf dem Weg nach oben. Nach vier Stockwerken und gefühlten 200 Stufen (in Wirklichkeit wohl nur um die 50) öffnete sich die Tür zur Kammer, hinter der sich eine richtige kleine Wohnung verbarg. Auf den Kreuzfahrern heisst die Grösse sicher Suite mit Aussenbalkon. Hier ein paar Bilder:
Kabine

Mehrere Zimmer
Ach so, der Aussenbalkon maß etwa 12 m x 2,5 m. Schnell unsere Sachen eingeräumt, mal einen Blick nach draussen geworfen und schon ist Zeit fürs Abendessen. Und ganz prima, weder das kleine Schwarze noch ein dunkler Anzug sind angesagt, Jeans und ein Pullover tun es hier. Wir werden an den Tisch, der für den Kapitän und dem Chief in der Messe steht, gesetzt, woanders ist auch kein Platz. An dem zweiten Tisch sorgt der Koch für die restlichen Dienstgrade. Wer da was ist, kann man nur durch Fragen rausfinden, Uniformen oder dergleichen gibt es nicht. Und viel Zeit zum Essen hat die Besatzung nicht. Hier richtet sich, was auch nicht verwunderlich ist, alles nach dem Schiff und dem Hafen. Wir kommen uns als Gäste da schon mal etwas seltsam vor. Zur Begrüssung hat uns der Smutje ein drei Gänge Menue bereitet, gut, aber viel zu viel. Ihm macht es allerdings richtig Spass, wenn seine Kunden ordentlich zulangen. Wir brauchen ein paar Tage, bis ihm eingeht, dass wir nicht mehr, als eine warme Mahlzeit schaffen. Trotzdem kriegt er es manchmal hin, wenigstens etwas warmes auch Morgens und Abends dazwischen zu schummeln. über das Essen kann man also nicht maulen, viel Abwechselung, auch mal gesund und immer genug. Zwischendurch gibt es noch zweimal Kaffee oder Tee und dazu, wenn man will (wir wollen nicht) auch noch ein Brötchen, Toastbrot usw. Saft und Wasser gehört zum "äll inclusive", für die vermutet langen Abende haben wir einen Karton Becks und Mineralwasser erstanden, hier ist die Auswahl eher begrenzt.
Und etwas ungewohnt, aber verständlich, beim Essen läuft der Fernseher. Eine nachführende Schüssel sorgt rund um die Uhr für deutsches Programm. Wann soll sonst auch der Info-Bedarf von Käptn und Chief gedeckt werden? Wir haben da natürlich viel mehr Zeit (und wundern uns gelegentlich, was für einen Schrott unsere öffentlich rechtlichen Sender morgens zwischen sieben und acht so anbieten). Nach dem Essen geht es wieder in den vierten Stock und da fängt uns das vollautomatisierte Containerterminal Altenwerder erstmal ein. Im Moment wird gerade beladen. Die Container kommen auf unbemannten Transportfahrzeugen zu den Ladebrücken. Dabei geht das ganz flott und keiner fährt den anderen an oder um. Anscheinend finden die Maschinen auch ganz selbstständig aus den gewaltigen Lagerbereichen die richtige Position, die als nächstes aufs Schiff soll. Ziemlich beeindruckend. Wenn da nicht die Frage nach den nun nicht mehr gebrauchten Fahrern wäre. Finden die alle einen ordentlich Ersatzjob? Na ja, wir werden die Welt hier auch nicht spontan ändern.
Kaum liegt man im (sehr bequemen) Bett, läuft kurz nach 23 Uhr die Hauptmaschine an. Gut zu hören und auch die Schwingungen finden bis hier rauf. Die Henneke Rambow legt direkt ab, es geht die Elbe runter Richtig Kiel Kanal nach Brunsbüttel. Derweilen es draussen ziemlich duster ist, bleibt der Fotoapparat ohne Arbeit, ein Bild reicht.
Nacht
Die Nacht vergeht, ich wache schon mal zwischendurch auf, aber man gewöhnt sich schnell an das Maschinengeräusch. Zeit zum Aufstehen ist fast wie früher: um 6:30 ist wecken (wenn man denn will, niemand, ausser dem Frühstück, nötigt einen). Danach schauen wir dem Kanal-Lotsen und dem Kanal-Steuerer auf der Brücke bei der Arbeit zu. Und besichtigen aus angenehmer Höhe den Verkehr auf dem Nord-Ostsee Kanal. Was direkt vor dem Bug unseres Schiffes stattfindet, kann man natürlich nicht sehen. Weil es nun hell ist, gibt es ein paar Bilder der Kanal-Passage:

Nord-Ostsee Kanal

Rendsburger Schwebefähre

Nord-Ostsee Kanal, Dreimaster

Containerschiff unterwegs
Die Kieler Förde liegt hinter uns, wir sind unterwegs Richtung Grosser Belt, die Henneke läuft 17 kn und die Ostsee ist ein Ententeich. Schiffsbewegungen sind nicht fühlbar. Wir geniessen die offene See, bis die Brücke über den Belt in Sicht kommt. Die will natürlich abgelichtet werden:

Große Belt Brücke voraus

Große Belt Brücke
Und kaum sind wir unter der Brücke durch, wird das Wetter richtig schön, die Sonne kommt durch und lässt das graue Schleswig-Holstein vergessen. Unser erster Hafen ist übrigens Helsingborg, den sollen wir aber erst kurz vor Mitternacht erreichen. Vorher bekommen wir eine Sicherheitseinweisung, die darf ein deutscher Azubi unter Aufsicht machen. Ja, weil die Henneke unter deutscher Flagge fährt, wird hier auch nach allen Regeln der Kunst ausgebildet. Und also ist auch die Unterweisung in Ordnung. Wir werfen mal einen Blick in das Rettungsboot und auf seine Sitzordnung und werden natürlich aufgeklärt, dass man da nur einsteigt, wenn wirklich alles zu spät ist. Netterweise dürfen wir uns auf dem Schiff ausserhalb der Häfen frei bewegen, die Brücke ist da inklusive. Also wandern wir mal bis zum Bug und stellen fest, das es dort genauso aufgeräumt und ordentlich aussieht, wie auf dem ganzen Schiff.
Helsingborg verschlafen wir dann, Ankunft war mitten in der Nacht, abgelegt 6:45. Nur der zwischendurch abgestellte Diesel fehlt, man gewöhnt sich doch schnell an seine Geräusche. Bis Halmstad sind es nur ein paar Stunden, so haben wir nach dem Frühstück nur wenig Seefahrt, können aber dafür aber um 10 Uhr beim Anlegen zugucken. Das klappt, wie auf der ganzen Reise, perfekt. Nicht ganz so perfekt ist der Kranfahrer, der die Container ablädt. Das System ist allerdings auch nicht vergleichbar mit den Ladebrücken, die es sonst überall gibt.
Hafen
Containergeschirr / Spreader
Container auf der Pier