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Die tanzende Kroete reist nach Carwitz und trinkt Bier.

27. 6.  2010. Die Kröte, ansässig in Berlin,  reist nach Carwitz, einem Kurort in der Feldberger Seenlandschaft.  Sie döst tief in ihrer Socke in einer Seitentasche der Fototasche. Hinter Lychen wird sie wach und unruhig. Sie spürt, dass ihre alte Heimat näher kommt und öffnet den Reissverschluss der Fototasche, um rauszuschauen. Mit den rasch vorbeiziehenden Feldern mit roten Mohnblüten kann sie nichts anfangen aber die gelegentlich sichtbaren Seen mit ihren Schilfgürteln lassen ihr kleines Herz schneller klopfen. Hoffentlich verschmiert sie mir mit ihren strampelnden Hinterpfoten nicht die Frontlinsen der Objektive.  Vielleicht sollte ich der Kröte einen Tropfen Baldrian geben. Sie lenkt mit ihrem aufgeregtem Getue und Gequake sehr vom Fahren ab. Es fehlt nur noch, dass sie aufs Lenkrad hüpft.

Am Zielort angekommen, drängt die Kröte auf eine Bootspartie. Sie möchte runter zum Wasser.  Na gut, dann muss das Auspacken warten.  Ich schiebe das Ruderboot aus dem Bootshaus, das eher eine niedrige spitze Überdachung ist. Mit einem Ruder stehe ich auf dem Schwimmkörper im Bug und bewege das Boot wie eine Gondel durch den schmalen Kanal im Schilf.  Im Wasser brodelt das Leben. Fische alle Größen sind sichtbar. Ein kleiner Hecht, lang und gestreift, steht unbeweglich herum. Wie er seine Position hält, ist mir unbegreiflich. Die ins Wasser tauchenden Ruder stören ihn nicht. Barsche und Friedfische sowie Schulen aus ganz kleinen Fischen tummeln sich hier.

Im etwas breiteren Wasserweg zwischen dem Carwitzer See und dem Dreetzsee angekommen, werden die Ruder in die Dollen gehängt und dann geht es mit kräftigen Ruderschlägen los.  Mandarinenenten, Blässhühner und Haubentaucher mit Küken begegnen uns. Ein Kuckuck ruft unermüdlich.

Der Krötenstein taucht auf. Nur eine schmale Spitze ragt aus dem Wasser. Die Kröte drückt sich aus ihrer Socke und springt mit einem Satz über den Bootsrand. Man spürt förmlich, dass auch ihr diese Reise gut tut. Sie hüpft auf ihren ‘ihrem’ Stein und quakt befriedigt! Natürlich möchte sie, dass ich dableibe und muss ihr mehrmals versichern, dass ich sie später abhole bevor ich weiterrudern darf. Der Kuckuck und das Käuzchen werden nicht weit weg sein und die Kröte im Auge behalten. Nach ihrem monatelangen faulen Gelümmel in ihrer Socke zwischen weichen Kissen könnte sie bei einer Auseinandersetzung mit einem sportlichen Rivalen den Kürzeren ziehen, doch die Anwesenheit des Kuckucks, der sofort ihre Partei ergreifen würde, scheinen auch die anderen im Schilfgürtel zu spüren und überlassen ihr den privilegierten Platz anstandslos. Jedoch hallt ein ungläubiges Quaken durch das Schilf als unsere Kröte das alte Freddie Quinn Lied “Junge, komm bald wieder!” anstimmt und mit Krötenkraft, ohne sich zu verhaspeln, zuende singt. Das war wirklich außergewöhnlich! Gelegentlich plätschert Wasser über die Kröte. Schade, dass sie nicht in ihrer Socke hier liegen darf, die wird leider sehr kalt, wenn sie nass ist.

Zwei Stunden später hole ich sie wieder ab. Erfreut hüpft sie ins Boot, denn ihr war langweilig geworden. Nur so auf einem Stein rumhocken, kann sie nur kurze Zeit zufriedenstellen, auch wenn sie hoch erfreut ist, mal wieder in Carwitz zu sein und das Rascheln des Windes und die Geräusche ihrer Artgenossen im Schilf zu hören. Aber jetzt möchte sie unbedingt das Fussballspiel England gegen Deutschland sehen und hofft, dass die Deutschen ihren Rivalen haushoch schlagen. Vor allem gefallen ihr die Sprüche von Günter Netzer, der so schöne Sätze sagt, wie “Der rechte Fuss ist nicht sein Fuss.”. Wenn die Kröte einen Germanistikpreis zu vergeben hätte, ginge er an Günter Netzer. Zurück an Bord wälzt sie sich erstmal auf einem Frottehandtuch trocken und schlüpft in ihre Socke. Es gelingt ihr, damit in die Fototasche zurückzuhüpfen, damit sie nachher bequem vom Bootshaus zur Hütte getragen wird. Den langen Weg durch den Garten hochzuhüpfen, wäre ihr zu mühselig.

Die Kröte hockt in ihrer Socke auf einem Holzpfahl, der aus dem Wasser ragt. So wird sie nicht nass.

Die Kröte hockt in ihrer Socke auf einem Holzpfahl, der aus dem Wasser ragt. So wird sie nicht nass.

Pünktlich zum Beginn des Spiels wird die Kröte zappelig. Sie möchte ein Bier haben. Ich gieße ihr den Plastikdeckel von meiner Bierflasche halb voll und stelle ihn auf den Tisch. Die Kröte schnuppert selig daran, schlabbert ein wenig mit ihrer Zunge in dem Trunk und widmet sich dem Spiel. Ihre anhaltenden Kommentare zu jedem Spielzug übertönen fast den Lautsprecher des Fernsehers, sodass ich mir einen Kopfhörer aufsetze. Beim 1:0 für Deutschland hüpft die Kröte fast vom Tisch. Das 2:0 wird gelassener wahrgenommen. Doch da kontern die Briten mit einem 2:1. Das passt der Kröte gar nicht. Als kurz danach ein weiterer Schuss der Engländer auf das deutsche Tor fällt, springt die Kröte an den Bildschirm und hält ihre Pfoten vor die Augen des hinteren Linienrichters, dem tatsächlich entgeht, dass der Ball reingeht. Unglaublich! Die Kröte quakt befriedigt und ist vollkommen überzeugt davon, dass ihre Aktion die Anerkennung des englischen Tors verhindert hat. Mein Einwand, dass das nicht in Ordnung war, weist sie mit einer Geste ihrer linken Vorderpfote zurück. Die Halbzeit mit Günter Netzer amüsiert die Kröte prächtig. Ohne dass sie es merkt, gieße ich ihr Bier weg und fülle kalten Tee mit Honig in ihren Plastikdeckel. Auch davon wird sie high.

Hier hat sie ihre Socke auf ein Teichrosenblatt gelegt und sich ins Wasser begeben. Es ist ihr eindeutig zu nass.

Hier hat sie ihre Socke auf ein Teichrosenblatt gelegt und sich ins Wasser begeben. Es ist ihr eindeutig zu feucht.

Lange wird die Kröte es nicht im Wasser aushalten.

Lange wird die Kröte es nicht im Wasser aushalten.

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