Schlimmer Liegeplatz für Motorboote

Unerreichbare Liegeplätze für das Motorboot gehen gar nicht, meint man. Doch bei einem Aufenthalt in Basel sind Motorboote zu sehen, die ca. 20 Meter vom Ufer des Rheins entfernt an verankerten Bojen festgemacht werden. Wie kommt man zu ihnen? Wie zur Rätsels Lösung bestellt, erscheinen zwei junge Männer. Sie haben eine Leine mit einem Enterhaken dabei. Er sieht aus wie ein großer Drillingshaken von einem Blinker. Sie haben es auf ein Boot abgesehen. Die Leine wird lassoartig in Schlingen gelegt und das Ende mit dem Haken ein paarmal geschleudert, um alles in Richtung der Kette zu werfen, die das Boot mit der Boje verbindet. Der Haken soll über die Kette gelangen, damit das Boot zum Ufer gezogen werden kann. Etliche Versuche schlagen fehl. Die Leine ist zu kurz; der Haken klatscht vor dem Ziel in den Rhein.

Die Müßiggänger auf den Bänken und Stufen am Rheinufer sehen interessiert zu. Die Männer wechseln sich ab, schwingen konzentriert die Leine und werfen, doch der Haken erreicht die Kette nicht. Endlich entschließt sich einer der Männer ein Stück stromaufwärts zu gehen und mit einem Ende der Leine zum Boot zu schwimmen, während das andere vom zweiten Mitglied der Crew festgehalten wird. Das kann spannend werden! Vielleicht wird sich der Mann am Haken verletzen oder mit der Leine vertüddeln. Jedenfalls wird der Mann mit dem um das Handgelenk gewickelten Ende der Leine nie an das Boot herankommen, weil sie nicht lang genug ist. Am Rheinufer beschließen etliche Leute, ihre Mittagspause zu verlängern, um den weiteren Verlauf der Angelegenheit zu verfolgen. Der Mann am Fluss hadert. Er benetzt sich langsam mit Wasser und geht zögerlich in den schnell fließenden Fluss, aber mit dem Publikum im Rücken kann er nicht mehr abbrechen. Irgendwann wirft er sich nach vorne und schafft es trotz der starken Strömung zum Boot zu kommen. Dafür muss sein Partner am Ufer die Leine loslassen; sonst reicht sie nicht.

Doch der Mann kommt nicht auf das Boot. Es ist zu hoch und er findet keinen richtigen Punkt, um sich hochzuziehen. Schließlich zieht sich auch der zweite Mann aus, geht ebenfalls ein Stück stromaufwärts und schwimmt zum Boot. Er schafft es an Bord zu kommen, zieht den anderen Mann rauf. Dann öffnen sie das Verdeck und starten den Motor. Im Rückwärtsgang, noch immer an der Boje hängend, wird das Boot in Richtung Ufer bewegt. Der Motor ist nicht stark genug, es ganz heranzubekommen. Zudem droht die Gefahr, dass die  Schraube des Außenborders den Grund berührt. Ein Besatzungsmitglied nimmt wieder die Leine mit dem Enterhaken und wirft ihn mehrmals ans Ufer, bis er fasst und das Boot von den beiden zum Ufer gezogen werden kann. Die Befestigung der Klampe auf dem vorderen Deck muss dabei einiges aushalten. Sie schaffen es und nahmen ihr Zeug an Bord.

Motorboote auf dem Rhein.

Motorboote auf dem Rhein.

Beratung: Wie kommen wir zum Boot?

Beratung: Wie kommen wir zum Boot?

Der Skipper zögert. Soll er wirklich zum Boot schwimmen?

Der Skipper zögert. Soll er wirklich zum Boot schwimmen?

Wer nicht wagt ...

Wer nicht wagt …    Die zu kurze Leine ist schon straff gespannt.

Geschafft, aber wie kommt man auf das Boot?

Geschafft, aber wie kommt man auf das Boot?

Hilfe naht. Der andere schwimmt auch hin.

Hilfe naht. Der andere schwimmt auch hin.

Beide sind an Bord. Das Verdeck ist abgenommen worden.

Beide sind an Bord. Das Verdeck wird aufgeschlagen.

Wurf des Enterhakens zum Ufer.

Wurf des Enterhakens zum Ufer.

Geschafft! Das Boot ist am Ufer.

Ein letzter Kraftakt! Das Boot ist am Ufer.

Wir sind hier nicht Zeugen von Dreharbeiten für einen Klamauk. Die Baseler haben es tatsächlich nicht leicht, auf und von ihren Motorbooten zu gelangen. Sieht man sich die Stadt mal mit Google Earth an, ist zu sehen, dass diese Art des Anlegens von Sportbooten normal ist. Wir bezweifeln, dass die von uns beobachtete Art, an das Boot zu gelangen, der übliche Weg ist. Das Risiko der Beschädigung des Bootes ist groß; es kann vom Enterhaken getroffen werden. Das Verdeck aus Stoff und Folie würde beim Treffer sicherlich einen Riss bekommen. Dem schützenden Gelcoat über dem Glasfaserlaminat des Bootsrumpfes täte der Aufprall des geworfenen Metalls auch nicht gut.

Vielleicht kann uns ein Leser Auskunft über ‚richtige‘ Verfahren geben.

8 Antworten auf: Schlimmer Liegeplatz für Motorboote

  • Marlene

    Eines muss man den beiden lassen, das war echter Wassersport! Deren sportliche Oberkörper haben wenig mit so manchen biergepflegten Skipperwampen gemein. Vielleicht war das Ganze nur eine Show, um den Damen am Ufer mal etwas zu bieten. Marlene

  • Rheinfall

    Das ist ein amüsanter Bericht, gut beobachtet und treffend beschrieben. Der erste Kommentar setzt noch eins drauf. Normalerweise haben die Bootseigner, die ihre Boote so im Fluss an Bojen befestigt haben, eine zusätzliche Kette bis an das Ufer gelegt. Damit kann man das Boot heranziehen. Die Kette liegt auf dem Grund und stört in den Gebieten niemanden. Von Region zu Region kann das Verfahren anders aussehen.

  • Tobias

    Jawoll, für Marlene sollte ihr noch die Nahaufnahmen der beiden Herren einstellen!

  • Sabine

    Könnte es sein, dass die beiden das Boot gestohlen haben?

  • Jolle

    Köstlich, das hätte ich gerne beobachtet. Am Rhein ist für Unterhaltung gesorgt. Abgesehen davon ist der Liegeplatz furchtbar. Eine Kette kann auch mal brechen und dann ist der Kahn verschwunden und richtet unterwegs Schäden an, für die der Eigner aufkommen muss. Von Basel aus ist so ein Boot schnelll ins Nachbarland getrieben. Wer weiß, ob die eigene Versicherung dann noch haftet.

  • Jens

    @ Sabine. Hahaha, gute Frage! LG Jens

  • Das ist mein Boot. Der Arbeitskollege und ich mussten so das Boot holen. Grund dafür war. Das die Kette sich mit einem schweren Achst verhädert hat unf man konnte unmöglich das Boot mit der Kette reinziehen ans Ufer. So mussten wir halt in Rhein springen, um zum Boot zu gelangen. Das war ein Akt, aber Lustig wars. Die Schaulustigen haben nach der Aktion noch geklatscht.

  • Kunibert

    Danke für deinen Kommentar. Nun wissen wir endlich, wozu die Aktion gut war.

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