Chronik: Einwintern eines Motorboots

21. 11. 2017 – Am Ende einer Wassersportsaison schleppen viele Bootseigner reichlich Polster, Decken, Kissen, Kleidung usw. nachhause, also Sachen, die man während der 5-monatigen Standzeit der Boote an Land während eines kalten und feuchten Winters nicht an Bord lassen möchte, damit sie nicht gammeln. Auch Getränke und Lebensmittel, die durch den winterlichen Frost leiden könnten und natürlich auch das Sommerverdeck.

Es erstaunt mich immer wieder, dass auf meinem 6,20 Meter langen/kurzen Boot mehrere Wagenladungen (Kombi) zustande kommen. Dann bekommt die Waschmaschine viel zu tun. Am besten erledigt man das in einem Waschsalon, zumindest das Trocknen, weil die Wohnung sonst zu lange durch Trockenständer blockiert wird.

Umgekehrt sind nun aber auch viele Sachen zum Hafen zu transportieren, wie Winterplane(n), Gestelle, Frostschutzmittel und Kärcher. Die Reifen des Trailers sind aufzupumpen und einiges vorzubereiten. Steht das Boot dann ordentlich verpackt an Land und ist die sommerliche textile Ausstattung gereinigt und ordentlich verstaut, sind die Stunden mit Tageslicht schon so knapp, dass man froh ist, das Einwintern seines Bootes hinter sich zu haben.

Mitunter fragt man sich dann schon, ob das alles nicht zu aufwendig ist. Schließlich muss das parallel zum Alltag erledigt werden, der ja nun für jeden seine speziellen Herausforderungen bereit hält und üblicherweise keine Rücksicht nimmt auf regelmäßige saisonale Prozeduren.

Wäschekorb vom Boot

22. 11. 2017 – Heute holte ich zwei übervolle Wäschekörbe aus meinem Boot. Ab damit zu einem Waschsalon. Erst hatte ich keine Ahnung, wie die Automaten funktionierten. Einige freundliche Leute erklärten sie mir und gingen, weil ihre Wäsche fertig war. Ich trug einen Blaumann, weil ich am Boot und an dem Trailer gearbeitet hatte. Es kamen neue Besucher, alles Ausländer, die dachten wegen des Blaumanns, dass ich in dem Laden arbeite. Polen, Türken, Araber und Asiaten versammelten sich allmählich und ließen sich nun von mir die Bedienung der Maschinen erklären. Um uns herum rotierten die Trommeln in den guten Miele Waschmaschinen.

Im Waschsalon

28.11.2017 – Letzte Fahrt mit dem Motorboot vor der Wintersaison. Ziel: Motor warm fahren, um Frostschutzmittel einfüllen zu können. Das frostsichere Einwintern meines Yanmar 2GM Dieselmotors an Bord ist relativ einfach. Man lässt den Motor laufen, bis er warm ist.

Dann wird er kurz gestoppt und das Seewasserventil geschlossen. Stattdessen öffnet man den Wasserfilter und hält eine Gießkanne mit Kühlerfrostschutz parat. Der Motor wird neu gestartet und beim Laufen des Motors füllt man Frostschutzmittel in den Filterbehälter. Wenn der Frostschutz in das Kühlwassersystem des Motors gesaugt wurde, wird er gestoppt, der Filterdeckel wieder aufgeschraubt und das Seeventil wieder geöffnet, damit das Wasser aus dem Schlauch nach außen fließen kann, wenn das Boot an Land steht. Sicherheitshalber öffnet man an Land nochmal kurz den Filterdeckel, damit das Wasser wirklich aus dem Schlauch abfließt.

Liegt das Boot im salzigen Seewasser, sollten zuerst einige Gießkannen  (handwarmes) Süßwasser durchlaufen, um etwaiges Salz auszuspülen, bevor zum Schluss das Frostschutzmittel eingefüllt wird.

29.11.2017 – Nachts war der Sturm so heftig, dass die Fenster klapperten. Die Geräusche brechender Äste und von Gegenständen, die der Wind über die Straße trieb sowie vom Regen, der gegen die Fenster prasselte, erzeugten eine lebhafte Geräuschkulisse. Ich hatte mein Boot wegen des angekündigten Sturms schon am Tag zuvor zum Ponton neben der Slipstelle verlegt, weil ich mir dieses Manöver bei starkem Wind gar nicht vorstellen wollte. Deswegen musste ich morgens um 7:30 Uhr im Hafen sein, weil an meinem Boot kein anderes mehr vorbeikam und es somit als erstes herauskommen musste. Auf der Straße durch ein Waldstück dachte ich daran, wie angenehm es manchmal wäre, ein gepanzertes Fahrzeug zu fahren, denn der Sturm war dabei, reichlich Äste auf die Straße zu befördern, aber glücklicherweise nicht so groß, dass sie unpassierbar wurde. Am Straßenrand lagen noch drei zersägte Bäume, die der vorherige Sturm umgekippt hatte.

Das Boot an der Slipstelle

Mein Trailer stand schon seit dem Vortag an der Slipstelle und die Slipmannschaft war vollständig anwesend. Daher ging alles sehr schnell. Der alte Unimog schob meinen Trailer an einer langen Stange weit in das Wasser, sodass mein Boot darüber schwamm. Die Böen drückten heftig gegen die Bootsseite, aber wir hielten es in der Spur und beim Herausziehen des Trailers senkte es sich in seiner Halterung. Der starke Wind ließ jedoch Zweifel aufkommen, dass weitere Boote überhaupt zur Slipstelle gelangen konnten. Zwei weitere Bootsmannschaften winken ab. Sie wollten es nicht wagen. Ab Mittag war besseres Wetter angesagt, doch was nützte diese unsichere Prognose? Das Hafenteam beschloss den anderen abzusagen und den Termin um eine Woche zu verschieben.

Aber mein Boot war an Land. Dann begann der interessanteste Teil: Das Kärchern des Bootes. Im Unterwasserbereich siedeln sich Algen und manchmal sogar Muscheln am Rumpf an. Lässt man diese unerwünschte Schicht nicht antrocknen, ist sie leicht durch einen Hochdruck-Wasserstrahl zu entfernen. Das macht richtig Spaß, auch bei Regen und Sturm, weil man dann sowieso schon nass ist und außerdem kein Bootsnachbar um Rücksicht auf seine trockene Kleidung bittet. Neben mir war niemand und so konnte ich nach Herzenslust das Boot gründlich abspritzen. Es war äußerst befriedigend zu beobachten, wie der scharfe Wasserstrahl die Oberflächen scheinbar mühelos säuberte.

30. 11. 2017  / Nach dem gestrigen Sturm schien heute die Sonne, aber es war sehr kalt und immer noch sehr windig. Ich fuhr zum Hafen, um das Stoffverdeck meines Bootes abzunehmen und die Winterplanen darüber zu legen. Vorher sollte das Oberdeck noch geschrubbt werden, doch beim Stehen auf der Leiter im eisigen Wind wurde der Punkt ergebnislos abgehakt. Da gestern nur mein Boot herausgezogen wurde und die anderen wegen des Sturms im Wasser bleiben mussten, stand nur mein Boot in dem Abschnitt des Hafens. Das wäre eine gute Voraussetzung gewesen, um ungehindert durch die sonst übliche Enge der dicht zusammenstehenden Boote die großen Planen und der Leiter handhaben zu können. Aber nun stand direkt vor meinem Trailer ein Fahrradständer, in dem tatsächlich mehrere Fahrräder parkten. Und auf einer Längsseite standen mehrere Trailer dicht neben meinem Boot. Eine kuschelige Ansammlung. Sie vermittelte dem Unterfangen eine sportliche Note durch Verrenkungen, längere Wege und dem Auseinanderziehen der langen Plane nebst Entwirren der daran befestigten Leinen im schmalen Korridor zwischen zwei Trailern.

30. 10. 2017. Berlin. Tegeler See. Bootsstände Lahe. Motorbootes Hasla 21 an Land.

Natürlich nahten nach dem Abnehmen meiner Sommerplane graue Wolken mit Regen als Spannungselement. Sollte es gelingen, vorher die lange blaue und schwere Plane über das Boot zu ziehen? Es klappte.

30. 10. 2017. Berlin. Tegeler See. Aufziehen der Winterplane durch Thomas Gade.

 

30. 10. 2017. Berlin. Winterlager auf dem Boot.

Über den hintere Bootshälte mit der offenen Plicht kommt zusätzlich eine Plane als Spitzdach, um das Eindringen von Schnee und Regen zu verhindern. Tipp: Die Plane soll nur knapp unter den Bordrand reichen, damit Reparaturen am Rumpf leicht durchgeführt werden können. Zu große Planen sind hier sehr hinderlich.

8.11. 2017

Das Wetter war zu schön, um am Schreibtisch sitzen zu bleiben. Viel dringender schien es nun, den Unterwasserbereich meines an Land stehenden Bootes gründlich zu reinigen. An manchen Stellen haftete noch ein dünner Belag aus Algen am Rumpf. Ich hatte noch das Zaubermittel Algenol, mit dem ihre Beseitigung ein Klacks ist, wenn man es richtig macht. Um es anzuwenden, braucht man einen Eimer, in dem man ca. eine halbe Tasse voll von den salzartigen Kristallen gibt und heißes Wasser, damit sie sich rasch auflösen.

Ich nahm es in einer Coca Cola Flasche mit, denn im Hafen gibt es zu dieser Jahreszeit keines mehr. Solche Kleinigkeiten können das Gelingen einer Aktion maßgeblich beeinflussen.Eigentlich soll man die angemischte Lösung auf den Rumpf sprühen und einwirken lassen. Das hat sich bei früheren Versuchen als völlig ineffektiv herausgestellt. Ideal ist ein Quast, den man mit Paketklebeband an einem Besenstiel befestigt und ihn dann mit der Algenol Flüssigkeit tränkt. Damit wischt man mehrmals locker und ohne großen Druck über alle betroffenen Stellen am Rumpf und im Handumdrehen verschwindet so der dünne Algenbewuchs.

Durch den langen Besenstiel erreicht man ohne akrobatische Verrenkungen leicht die tiefsten und am weitesten entfernten Stellen, ohne unter das Boot krabbeln zu müssen. So ist diese Angelegenheit bei meinem Boot in einer Viertelstunde erledigt. Außerdem bleiben so die eigenen Klamotten trocken.Anschließend reinigt man mit dem Quast am Besenstil und einem Eimer voller Wasser mit etwas Spüli den unteren Teil des Rumpfes bis zur Bordkante. Der Besenstil erweitert den Wischbereich enorm und daher könnte auch der gründlichste Mensch diesen Teil der Reinigung auch mit peniblen Ansprüchen sinnvollerweise kaum über 15 Minuten ausdehnen. Ohne Besenstiel und nur mit einem Schwamm oder Lappen dauert das nicht nur länger, sondern dafür muss man in unbequemer Haltung unter dem Boot hocken und wird zudem auch nass.

Auch nach dem Kärchern befindet sich ein Belag am Boot.

 

Algenol ist ein sehr gutes Mittel, um solche Beläge rasch vom Unterwaserschiff zu entfernen.

 

Am besten und schnellsten gelingt die Reinigung mit einem Quast am Besenstil und Algenol.

 

‚Unterwasser‘ ist das Boot sauber.

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