Umstieg auf C.A.R.E. Diesel vor der Winterpause

Die klare Flüssigkeit, die aus dem Zapfventil in den Kanister fließt, ist kein Wasser, sondern C.A.R.E. Diesel, den Tankstellenbetreiber Sascha Stegen an seiner Bootstankstelle im Yachthafen Marina Lanke abfüllt. Weit und breit ist er der einzige Anbieter des neuen Kraftstoffs für Bootsfahrer. Sie sind zunehmend interessiert am CARE Diesel, der aber in vielen Revieren noch gar nicht erhältlich ist. Eine relativ hohe Verbreitung findet man aktuell lediglich an der Ostsee. Sascha Stegen führte erst in diesem Jahr (2016) CARE Diesel ein. Seine anfängliche Skepsis über den Grad der Akzeptanz des etwas teureren Kraftstoffs wich durch die zunehmende Kundschaft. Bei ihm betanken Kunden nicht nur ihre Boote direkt an seiner Anlegestelle, sondern lassen sich ihre Kanister füllen, wenn ihre Boote zu weit entfernt liegen, um zur Marina Lanke zu fahren.

Glasklarer CARE Diesel fließt in den Tank

Glasklarer CARE Diesel fließt in den Tank

Der neue Treibstoff aus nachwachsenden tierischen und pflanzlichen Rohstoffen verbrennt sauberer als herkömmlicher Diesel aus Erdöl und beigemischtem Biodiesel. Laut Hersteller soll C.A.R.E. Diesel von Tool Fuel einer zunehmenden Problematik mit aktuellem Diesel ein Ende setzen, nämlich Veränderungen durch Alterungsprozesse und Ansiedelung von Mikroorganismen mit Bildung von Bioschlmm bei langen Standzeiten in nur saisonal benutzten Verbrennungsmotoren, wie Notstromaggregaten oder Motoren in landwirtschaftlichen Fahrzeugen, Wohnmobilen und Sportbooten.

Problem – Lange Standzeit ohne Treibstoffverbrauch

Letztere werden in der Regel ab Oktober bis April des Folgejahres stillgelegt, weil kurze Tageszeiten, kühle Temperaturen bis hin zum winterlichen Frost der Benutzung von Sportbooten entgegenstehen. In der Winterpause sind eingebaute Tanks üblicherweise vollgefüllt sein, damit die sogenannte Tankatmung, verursacht durch ständig wechselnde Temperaturen, durch eine geringe Menge Luft im Tank auf ein Minimum reduziert wird. Andernfalls gelangt durch einen wenn auch geringen Luftaustausch, stets neue wasserhaltige Luft den Tank, kühlt sich Nächtens ab und es kommt zur Bildung von Kondenswasser. Wassertropfen fallen in den Treibstoff und im Laufe der Monate kann dies zu einem Wasseranteil führen, der das Auftreten von Mikroorganismen begünstigt, die wiederum die Kohlenwasserstoffe des Diesels als Nahrung verwerten können.

Care Diesel - Bootstankstelle im Yachthafen Marina Lanke

Care Diesel – Bootstankstelle im Yachthafen Marina Lanke

Besonders begünstigt wurde dies durch den Biodieselanteil, der einerseits relativ schnell Alterungs-, bzw. Veränderungsprozessen unterliegt und somit seine Eigenschaften ändert, andererseits aber auch einen höheren Anteil Wasser, fein verteilt als kleinste Tröpfchen, wie in einer Emulsion aufnimmt. Dadurch entstehen noch mehr Lebensräume für Mikroorganismen im Diesel. Das Phänomen ist nicht neu, tritt aber seit der Einführung des Biodieselanteils wesentlich häufiger auf. Bootsfahrer mit Dieselantrieb setzen deswegen giftige Biozide ein, die dem Treibstoff zugesetzt werden und über den Auspuff in die Umwelt gelangen. Die Treibstoffhersteller verzichten darauf, weil Mikroorganismen Resistenzen gegen Biozide entwickeln können wie Krankheitserreger gegen Antibiotika. Deshalb setzt man eher auf eine effektive Entwässerung des Kraftstoffs.

Da Care Diesel aus nachwachsenden Rohstoffen produziert wird, kann man ihn ebenfalls als Biodiesel bezeichnen. Zumindest passte diese Einordnung in das weitverbreitete Denkmuster bezüglich des Begriffes Biodiesel. Jedoch unterscheidet sich Care Diesel erheblich vom Biodiesel (FAME) herkömmlicher Machart, der salopp gesagt, schnell ranzig wird und einem Speiseöl ähnelt.

Hingegen ist CARE Diesel glasklar und behält seine Eigenschaften über sehr lange Zeiträume bei ohne die schädlichen Moleküle aus Alterungsprozessen des aktuellen Diesels zu bilden. Zudem kann CARE Diesel bis -35° ohne Additive eingesetzt werden, während konventioneller Diesel bei den Temperaturen längst nicht mehr einsetzbar ist. Weiterhin verbrennt CARE Diesel mit nur geringer Rußentwicklung, also bedeutend sauberer als konventioneller Diesel.

Keine Dieselpest mit CARE Diesel

Tool Fuel behauptet, dass CARE Diesel die Bildung von Dieselpest verhindert, also dem Wachstum von Mikroorganismen im Kraftstoff mit Bildung eines schleimigen Belag am Tankboden. Wohl kaum ein Bootsfahrer verfügt über die Kenntnisse und über die Ausrüstung, um diese Aussage zu überprüfen, aber die Argumente klingen nachvollziehbar. Die Zukunft wird zeigen, ob die Dieselpest durch das Tanken von CARE Diesel gänzlich oder im erheblichen Maße verhindert wird.

Tankreinigung vor Umstieg

Grundsätzlich sollte man vor einem Umstieg auf Care Diesel zumindest seinen Tank inspizieren. Befindet sich auf dem Boden eine schleimige Schicht, ist eine Tankreinigung ratsam. Manchmal reicht es, den Grund mit einer Pumpe und einem daran befestigten Schlauch mit Rohr selber abzusaugen, doch bei einem dickeren gelartigen Belag sollte man Profis mit besserem Equipment ranlassen, wie das darauf spezialisierte Unternehmen MFT aus Geesthacht, dessen Reinigungsteam ständig auf Achse ist, um quasi europaweit Bootstanks zu reinigen. Oft ist dies nur möglich, indem man einen Zugang zum umbauten Tank schafft und eine Inspektionsluke hinein schneidet. Das scheint komplizierter zu sein als es ist. Für das Team von MFT ist das alltägliche Routine und bei vielen Sportbooten bundesweit für jeweils wenige 100 € machbar.

Sascha Stegen berichtet, dass er viele Bootsfahrer auf die Tankreinigung aufmerksam machte, jedoch nicht jeder sie in vor dem Umstieg auf  CARE Diesel in Anspruch nahm. In solchen Fällen waren sich die Bootsfahrer durch eigene Recherchen bewusst, dass CARE Diesel etwaigen Bioschlamm im Treibstoffsystem löst und somit in Bewegung setzt. Daher haben diese Bootsfahrer in der Übergangszeit sorgfältig auf ihre Dieselfilter mit Wasserabscheider geachtet, die anfangs bei einigen Booten mehrfach getauscht werden mussten, bis weitere Rückstände ausblieben. Wer diesen Weg geht, sollte einen Dieselfilter verwenden, der im unteren Bereich transparent ist, sodass man das Auftreten von Wasser und Bioschlamm sehen kann.

Ende September diesen Jahres (2016) sind die Tage immer noch schön und laden zum Bootsfahren ein. Doch in wenigen Wochen beginnt die Winterpause. Wer davor seinen Tank erstmals mit CARE Diesel füllen möchte, sollte dies bald tun und das schöne Wetter nutzen, um noch etliche Stunden zu fahren, damit sich der CARE Diesel im Treibstoffsystem verbreitet und man auf die bereits genannten Übergangserscheinungen achten kann.

Mehr zum Thema:  Dieselkraftstoff auf Booten

3 Antworten auf: Umstieg auf C.A.R.E. Diesel vor der Winterpause

  • Havelpetra

    Inzwischen haben wir auch CARE Diesel im Tank. Letztes Jahr gab es einen Motorausfall wegen Dieselpest. Bis dahin hatten wir noch nie etwas davon gehört. Ein Bootskollege schleppte uns zurück und wußte Bescheid. So konnten wir das Malheur gemeinsam selber bewältigen, doch den Tank ließen wir vom MFT Team reinigen und waren froh, dass seit diesem Jahr auch in Berlin die Möglichkeit besteht, modernen Diesel zu tanken, der uns hoffentlich zukünftig Bioschleim im Tank erspart. LG Petra

  • Frank

    Das ist zwar ne tolle Sache aber der Preis ist viel zu hoch. Mit Grotamar habe ich meine Dieselpest in den Griff bekommen und wenn man das bei jedem Tanken vorsorglich macht, ist die Dieselpest auch kein Thema mehr.

    Als ich jetzt den 1. Tank geöffnet und gereinigt habe, konnte ich erleben, was aus dem bekämpften Bioschlamm wurde. Auf dem Tankboden hat sich eine ca. 1,5 cm dicke Schicht gebildet, die richtig fest zusammengebacken war und die ich mit einer Schippe vom Boden entfernen mußte. Dem Schlamm wurde sozusagen die Feuchtigkeit entzogen.
    Wenn ich den 2. Tank reinige, mache ich Fotos und kann sie bei Interesse zur Verfügung stellen.

    Und die Vorteile von Care bezüglich der Temperaturbeständigkeit im Winter ist für Bootsbesitzer wohl nicht das Thema.

    Ferner liegen noch keine Langzeiterfahrungen vor, wie sich der neue Kraftstoff auf ältere Motoren oder deren Leitungen verhält.

    Wenn das alles schon so sicher wäre, würde C.A.R.E. bestimmt an mehreren Tankstellen angeboten werden.
    Das hängt sicherlich auch mit den Freigaben der Fahrzeuig- und Motorhersteller zusammen, die sich da vielleicht noch zurückhalten um nicht in die Haftung bei Motorausfällen zu kommen.

  • Frank

    Ja – und dann fällt mir auch noch der Kraftstoffverbrauch ein. Ich hatte bei meinem vorigen PKW mal über einen längeren Zeitraum Bioethanol (E85) getankt. Die Verbrennung und auch das Motoröl war deutlich sauberer, aber der Verbrauch über 15 % höher.

    Wenn der CARE Kraftstoff tatsächlich deutlich rußärmer verbrennt, wundert es mich, dass gerade in der Feinstaubdebatte die Grünen diesen Kraftstoff noch nicht angepriesen haben.

    Ich wäre aber an Erfahrungsberichten von den Nutzern von CARE, hier bei Oxly, sehr interessiert.

    Also – bitte posten.

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