Keine Ruhe im Hafen – penetrante Bässe

Liegt mein Boot im Hafen, kann ich abends sehr schön den Sonnenuntergang beobachten. Sie geht  in einer Lücke zwischen der Insel Maienwerder und der kleinen Malche unter, wo der Tegeler See auf die Havel trifft. An sich ein nettes Ereignis. Mein Bootsliegeplatz ist landschaftlich schön am Tegeler See in Berlin gelegen, aber alles andere als ein lauschiges Plätzchen, weil dank eines sich bereichernden Filzes aus Bauwirtschaft, Senats- und Landtagsangehörigen in Berlin und Brandenburg das viele Milliarden verschlingende Flughafenprojekt erfolglos geblieben ist und daher mitten in Berlin immer noch der Flugplatz Tegel in Betrieb ist und zwar heftiger, als je zuvor. Die extreme Auslastung wird beinahe schon von einer beschwichtigende Presse wie die Wiederholung der Rosinenbomber-Versorgung der abgeschnittenen Stadt in der Nachkriegszeit gefeiert, doch ist der wahnsinnige Lärm verursacht durch Hunderte startende und landende Flugzeuge für viele Ansässige eine extreme Belastung.

26. 7. 2014. Berlin. Reinickendorf. Tegeler See. Sonnenuntergang

26. 7. 2014. Berlin. Reinickendorf. Tegeler See. Sonnenuntergang

Bei meinem Bootsliegeplatz Tegeler See sind die tief fliegenden Flugzeuge beinahe zum Greifen nah. Ob sich das jemals ändert – in meinen aktiven Wassersportjahren – steht in den Sternen. Ich muss es hinnehmen oder einen erheblich längeren Anfahrtsweg zum Boot akzeptieren.

Man kann sich mit dem Fluglärm insofern arrangieren, als es Start und Landephasen gibt, in denen ein Flugzeug nach dem anderen abgewickelt wird, gefolgt von ruhigen Zeiten und zur Not helfen Ohrenstöpsel. Die Lärmbelastung ist auch abhängig von der Windrichtung und somit der Startrichtung.

Wie dem auch sei, wer hier den Sonnenuntergang beobachtet, muss die Geräuschkulisse eines nahen Flughafens hinnehmen. Mit der Zeit lernt man sogar, sie manchmal gar nicht wahrzunehmen.

Laute Bässe durch Feiern

Aber es gibt eine andere Lärmsorte, gegen die absolut kein Kraut gewachsen ist. Musikbässe! Laute Musik ist das eine, aber wummernde, weittragende Bässe sind etwas anderes. Es scheint kaum noch Musikanlagen zu geben, die nicht mit extremer Bassleistung ausgestattet sind. Offenbar haben immer mehr Leute Hörstörungen, denn sie muten sich das zu, was mir unerträglich laut erscheint. Vielleicht lebe ich in einer Welt voller Schwerhöriger, die Probleme anderer mit gutem Gehör nicht nachvollziehen können. Oder wummernde Bässe vermitteln etwas Angenehmes, das ich leider nicht wahrnehmen kann. Ich empfinde sie als extrem rücksichtslos, weil man ihnen nicht ausweichen kann.

Wenn in 300 m Entfernung von meinem Boot ein Imbiss eine geschlossene Gesellschaft musikalisch bespielt, ist der Bass penetrant zu hören. Da helfen auch keine Ohrenstöpsel; er geht durch. Aber zu welcher Musik? „Lass die Sonne in dein Herz!“ oder „By the rivers of Babylon“. Diese Musik haben wir vor 30 Jahren auch schon gehört, aber niemals mit solchen Bässen.  Das hört sich grausig an.

Rücksichtslos durch Lautstärke

Rücksichtslos durch Lautstärke

Diese Geräuschkulisse bestand, als die Sonne noch zwei Handbreit über dem Horizont stand und ich mir eigentlich einen Tee kochen wollte, um einen ruhigen Abend einzuleiten. Aber diese penetrante Musik verdarb es. So konnte sich keine geruhsame Stimmung einstellen. Um der Situation eine Chance zu geben, schwamm ich noch eine Runde im Hafenbecken, aber auch danach gab es keine Anzeichen für ein Ende der akustischen Beschallung. Ich gab auf, beschloss nicht an Bord zu übernachten, packte meine Sachen zusammen und fuhr vom Hafengelände. Beim ‚Imbiss Biergarten Back-Shop‘ mit der geschlossenen Gesellschaft hielt ich kurz an, um einen Blick auf die Veranstaltung zu werfen. Man hatte ein Areal durch Stangen und ein feinmaschiges Netz von der Straße abgetrennt und ‚drinnen‘ saßen dicht gedrängt an hölzernen Biertischen einige Personen um die 50 in sehr legerer Freizeitkleidung. Die Männer in kurzen Hosen und karierten kurzärmeligen Hemden oder T-Shirts, die Frauen,  … egal.  Die Musik beschallte sie gnadenlos und die Meute schien sich die Situation mit reichlich Bier ertragbar zu trinken. Dass sich dort eine fetzige Tanzfete entwickeln würde, erschien mir ausgeschlossen, aber ich wollte auch nicht bleiben, um diese These auf die Probe zu stellen.

Das war kein Einzelfall. Am vergangenen Wochenende war in der Gaststätte Fährhaus bei meinem Hafen ebenfalls eine geschlossene Gesellschaft, die bis Mitternacht mit lauter Musik versorgt wurde. Allerdings war der Klang besser, ebenso die Musikmischung und das Verhältnis zwischen Bass und dem Rest der Musik angenehmer. Dennoch …

Leider ist mit solchen Erlebnisse am Wochenende immer zu rechnen und man kann praktisch nichts dagegen unternehmen. Wohl denen, die ihre Arbeit zu verlagern können, dass sie während der Woche zu ihren Booten fahren können, denn dann ist die Wahrscheinlichkeit äußerst gering, dass man mit dieser rücksichtslosen Ruhestörung für die Geschäfte einiger weniger Leute oder besoffener Bootsnachbarn rechnen muss.

4 Antworten auf: Keine Ruhe im Hafen – penetrante Bässe

  • Luise

    Wohl wahr. Der spätabends noch herrschende Flugverkehr ist echt eine Belastung für Berlin. Es müsste viel früher Feierabend sein, aber bis Mitternacht ist dort Action. Die Bässe wird man nur mit Verordnungen und Polizei eindämmen können. Man bekommt auch sonst nachts in der Stadt das Gewummer der Spacken mit ihren Bassreflexboxen im Kofferraum mit oder gröhlende Meuten auf Fahrgastschiffen mit extrem hochgedrehter Musik. Das gehört verboten.

  • Marlies

    In dem ‚Lokal‘ fand ein Liveauftritt statt, steht bei Facebook. Kaum zu glauben bei der Location, aber warum nicht, wenn die Gäste mitmachen. Ruhe auf dem Boot wird man meistens nur vor Anker sicher finden. Dazu muss man aber auch rechtzeitig auslaufen und eine günstige Wetterprognose haben.
    Wegen der weittragenden Bässe wäre längst eine Begrenzung der Bässe durch eine gesetzliche Regelung angesagt, damit herbeigerufene Ordnungskräfte überhaupt eine Handhabe haben. Wir schlafen auch manchmal im Hafen auf unserem Boot und die Kinder beschweren sich, wenn wir sie abends in die Kojen bringen und in der Nähe ist dann Remmidemmi, von dem vorher nichts ahnen konnte.

  • Frank

    Hallo Herr Gade,

    uns geht es genauso, was die Flugzeuge betrifft. Sie fliegen direkt über uns hinweg, und gerade die Nachtmaschinen, die zu unterschiedlichen Nachtzeiten (zwischen 24 und 2.30 Uhr) starten und landen, machen den meisten Lärm.
    Zuerst dachte ich mir dass das wegen der Ruhe in der Nacht nur Einbildung ist, aber ich habe mit einem geliehenen Schallpegelmeßgerät festgestellt, dass die Spätmaschinen tatsächlich lauter als die meisten Maschinen sind, die tagsüber fliegen.

    Bei Ihrem Bootshaus ist es zwar ohne Zweifel laut, aber noch etwas erträglicher, weil die Maschinen nicht direkt über, sondern seitlich versetzt Ihr Bootshaus überfliegen. Glauben Sie mir, das macht viel aus.

    Was den Lärm vom Lokal betrifft, haben Sie die Möglichkeit, die Polizei wegen Ruhestörung einzuschalten. Gerade Lokale müssen sich an den Lärmschutz halten.

    Ich weiss, dass bei vielen öffentlichen Veranstaltungen vorab eine Genehmigung beantragt werden muss und in vielen Fällen wird durch einen Schallsachverständigen die Anlage eingemessen und verplompt.

    Sogar bei einer Feier in unserer Gartenkolonie, wo alle Gartenbesitzer mitgefeiert haben, haben sich weiter entfernt wohnende Leute bei der Polizei beschwert und die Musik musste leiser gemacht werden.

    Es spricht für Ihre Gutmütigkeit, dass Sie lieber freiwillig das Feld räumen und nach Hause fahren.

  • Jock-l

    … diese hämmernden Bässe und permanenter Bespaßungszirkus ist mir beispielsweise vor einigen Wochen in HH sehr unangenehm aufgefallen, als ich spätabends noch etwas an den Landungsbrücken und Richtung Speicherstadt spazieren ging. Jedes Boot welches vorbeikam hatte einen anderen Sound, aber immer volle Pulle aufgedreht, es war noch nicht mal außer Hörweite, als das nächste angeschwommen kam …

    Vielleicht hilft hier wirklich nur, permanent anzurufen und anzuzeigen- eigentlich weiß jeder Bootsführer Bescheid, aber man glaubt sich Jederzeit drüber hinwegsetzen zu können …

    Was bleibt ist die Erkenntnis- der Mensch ist Teufel, nichts anderes 😉

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