Nützliche Dinge an Bord – I

Wenn über die Ausrüstung eines Bootes debattiert wird, spricht man meistens über Sicherheitsartikel und Bootstechnik, obwohl gerade auf Binnenrevieren so manche Schwimmweste niemals zum Einsatz kommt. Lassen wir hier die oft genannte Pflichtausstattung außen vor und befassen uns stattdessen mit Dingen, die nützlich sind und als praktische Helfer den Bordalltag erleichtern.

Nähzeug

Abgesehen vom kleinen Paddelboot oder Angelkahn gibt es auf nahezu jedem Boot Textilien, die im Laufe der Zeit altern und verschleißen. Dazu gehört die Persenning, mit der die Plicht abgedeckt wird. Sie ist ein maßgeschneidertes Zelt mit Reißverschlüssen, PVC-Fenstern, Nähten und Ösen. Auf vielen Booten, die rund sieben Monate jährlich im Wasser liegen, hält eine gut gepflegte Persenning über 10 Jahre. Doch Wind, Wetter und UV-Licht setzen dem robusten Material zu. Nach wenigen Jahren sind die Nähte zu erneuern und einige PVC-Fenster halten nur ca. 7 Jahre. Die Nähte von Reißverschlüssen ribbeln auf und dies passiert natürlich gerne während der Wassersportsaison, inbesondere bei einer mehrtägigen Fahrt oder beim Klarmachen am Ende der Fahrt zum Abschluss des Wochenendes. Dann muss man den Schaden selbst beheben oder zumindest begrenzen, bis eine solide Reparatur möglich ist. Dazu braucht man Nähzeug. Einige Nadeln und gutes UV-festes Sattlergarn muss man an Bord haben.

Aufribbeln einer Reissverschlussnaht gestoppt

Aufribbeln einer Reissverschlussnaht gestoppt. Manchmal muss man improvisieren, bis eine solide Reparatur möglich ist.

Nähzeug. Ein paar Nadeln und eine Rolle Sattlergarn

Nähzeug. Ein paar Nadeln und eine Rolle Sattlergarn

Windeln

Windeln? Ihren eigentlichen Zweck kennen wir, doch dafür sind sie an Bord nicht gedacht, auch wenn es entsprechende Notfälle geben kann. Windeln in allen Größen, vor allem jene für Erwachsene mit größerem Saugvermögen, sind ideal als Unterlage für schmuddelige Arbeiten am Motor, um Treibstoff und Öle aufzufangen oder um Flüssigkeiten aus der Bilge zu entfernen, die sich anders gar nicht vollständig beseitigen lassen. Hat man sie einmal an Bord, braucht man sie häufiger als gedacht. Tipp: Pflegeheime entsorgen manchmal vorschriftsbedingt Großpackungen und sind froh wenn jemand die Windeln abholt. Damit kann man eine ganze Marina versorgen und das Gerede über Pfützen in den Bilgen endet.

Windeln in allen Größen

Windeln in allen Größen. Aufsaughilfe für Wasser, Öl und Treibstoff

Windel unter einem tropfenden Dieselfilter

Windel unter einem tropfenden Dieselfilter

Greifarm

Hat man eine Windel in die Bilge geworfen, bekommt man sie manchmal durch ihre   Unzugänglichkeit nicht heraus. Dafür sind klappbare Greifarme gut, mit denen man die sonst unerreichbare Windel ergreifen kann.

Greifarm

Greifarm

Zusammengeklappter Greifarm

Zusammengeklappter Greifarm

Feste Müllsäcke

Bleiben wir noch bei der Windel. Sie ist mit Öl, schmutzigem Wasser oder Treibstoff getränkt. Wohin damit? Auf keinen Fall ins Wasser, denn dagegen sprechen massive Umweltschutzgründe. Hier bewähren sich feste (!) Müllsäcke, also nicht die ultradünnen für den Papierkorb, sondern jene für Küchenmüll, aber nicht die riesigen für Mülltonnen, sondern im Format großer Einkaufstüten. Im Discounter oder in der Drogerie kann man sie auf Rollen für wenig Geld erwerben. Ein Boot bleibt viel sauberer, wenn stets ein Abfallbehälter zur Hand ist, aus dem man am Ende der Fahrt den Müllbeutel zur Entsorgung zieht und ihn sofort ersetzt, damit bei Beginn der nächsten Fahrt alles vorbereitet ist. Stülpt man zwei Müllbeutel ineinander, kann man in dem doppelten Beutel auch ölige Windeln sicher aufbewahren, bis eine Entsorgung möglich ist.

Müllsack und kleiner Mülleimer, der natürlich nicht auf dem Tisch steht.

Müllsack und kleiner Mülleimer, der natürlich nicht auf dem Tisch steht.

Akkustaubsauber

Auf einer großen Motoryacht fährt sicherlich ein Haushaltsstaubsauger mit. Doch auf kleinen Sportbooten gibt es dafür keinen Platz und auch keinen Stromanschluss. Hier bewähren sich gute Akkustaubsauger, jedoch sollte man die Finger von Billigangeboten der Discounter lassen. Wir haben sehr gute Erfahrungen mit Akkustaubsaugern von Makita gemacht. Wer bereits Werkzeuge und moderne Akkus von Makita hat, braucht keine Alternative. Muss man jedoch zusätzlich eine Ladestation und (den) Akku(s) kaufen, kostet das Set rund 150 €. Auf meinem 6,50 Meter Kajütboot, das häufig benutzt wird, reichen drei Akkuladungen für die ganze Saison. Konkret saugt mein 14V Makitasauger rund 40 Minuten mit einem großen Akku. Alle anderen Geräte, die mir davor unterkamen, waren dagegen unbrauchbar.
Tipp: Makita DCL182Z – 80 € ohne Akku und Ladegerät. Andere Bootseigner empfehlen einen Dyson (150 – 200 €) oder einen Black+Decker (125-200 €).

Makita Akkustaubsauger

Makita Akkustaubsauger, unentberlich an Bord

Quast

Ein Akkustaubsauger ist nett, doch wie bekommt man den Staub aus den Ritzen und Ecken? Ideal ist dafür ein Quast oder ein breiter Pinsel. Auf kleineren Booten sind das ideale Besen für den Boden und für die Ablagen.

Quast und breiter Pinsel. Ideale Besen an Bord

Quast und breiter Pinsel. Ideale Besen an Bord

Reinigungs und Politurpaste

Für Boote gibt es viele Schönheitsmittel im Bootshandel. Die meisten sind teuer. Doch im Laufe der Zeit kauft man immer mehr dieser Produkte, die oft nicht aufgebraucht werden, weil sie gar nicht halten, was die Werbung verspricht. Dazu gehören diverse Politur- und Pflegepasten oder Lotions. Man probiert so manches Mittel, doch viele überzeugen nicht.

Alternativ kann man die IN Hochglanz-Pflege aus der Tube für fast alles benutzen: GFK, Messing, Chrom und weiteres. Für Holzanstriche ist dieses Mittel jedoch nicht geeignet. Ansonsten ersetzt dieses Mittel viele anderen Politurmittel. Preis: 9,99 € je Tube. Man gibt die Paste auf einen nasses, aber nicht tropfendes Mikrofasertuch, verreibt sie und rubbelt etwas nach, solange die Paste noch feucht ist. Sie reinigt, poliert und versiegelt.

Hochglanz-Pflege IN reinigt mit Bärenkraft

Hochglanz-Pflege IN reinigt mit Bärenkraft

Mit der IN Hochglanzpaste kann man sogar Fender reinigen. Das geht sehr gut. Ansonsten kann man dieses Mittel gut im Haushalt verwenden, beispielsweise im Bad oder in der Küche, sodass der Kauf von drei Tuben mit Rabatt sinnvoll ist.

Holzpolitur

Aus demselben Haus gibt es eine Holzpolitur, die reinigt und pflegt. Auf vielen Booten gibt es reichlich Holz, das wenigstens einmal jährlich behandelt werden sollte.

Holzpflege. Reinigen und Versiegeln

Holzpflege. Reinigen und Versiegeln

Solarlampen

Für 1 € pro Stück bekommt man billige und dennoch gute Solarlampen mit Akku. Die Dinger sammeln in der Zeit zwischen April bis Ende Oktober tagsüber genügend Licht, um die ganze Nacht hindurch zu leuchten. Am besten bestellt man sich 20 Stück, die man an Bord immer gut gebrauchen kann. Zur Not ersetzen sie das Ankerlicht.

Solarlampen an Bord

Solarlampen an Bord

Solarleuchten in einem transparenten Eimer als improvisiertes Ankerlicht

Solarleuchten in einem transparenten Eimer als improvisiertes Ankerlicht

Klammern

Klammern sind sehr wichtig, weil man mit ihnen unkompliziert Dinge fixieren kann, wie ein weißes Bettlaken als Schutz gegen die Sonne oder Handtücher zum Trocknen, die somit nicht vom Wind davongetragen werden.

Klammern zum schnellen Fixieren von irgendwas

Klammern zum schnellen Fixieren von irgendwas

Spannbänder

Spannbänder sind ebenso wie die Klammern sehr nützlich. Man kann alles Mögliche mit ihnen anstellen, sei es das Spannen einer Wäscheleine oder das Fixieren einer aufgerollten Seitenteils der Persennig.

Nach einer Reinigung war Bootsverdeck geschrumpft. Mit einem Spannband konnte es bis zur Dehnung befestigt werden.

Nach einer Reinigung war Bootsverdeck geschrumpft. Mit einem Spannband konnte es bis zur Dehnung befestigt werden.

Spannband. Praktisch zum Fixieren eines aufgerollten Seitenteils der Persenning

Spannband. Praktisch zum Fixieren eines aufgerollten Seitenteils der Persenning

Besatzung, die nicht wiederspricht

Besatzung, die nicht wiederspricht

Maritim gekleidete Besatzung, die nicht wiederspricht

Die kann man gut gebrauchen, denn auf vielen Booten machen die Fahrgäste nicht, was der Skipper möchte. Bordhunde und Stofftiere widersprechen nie.

Schwimmnudeln

Schwimmnudeln sind nicht nur zum Baden klasse. Mit ihnen kann man auch Dinge in Seitenablagen so ‚einquetschen‘, dass sie nicht verrutschen oder für andere Zwecke verwenden. Wenn es sein muss, können sie auch mal als Fender zum Einsatz kommen.

Schwimmnudel

Schwimmnudel

Restube

Auf meinem Boot trägt niemand eine Schwimmweste, obwohl genügend an Bord sind. Auf der Havel und ihren Seen, meinem Revier, werden sie geflissentlich ignoriert. Beim Schleusen bestehe ich darauf, dass die Person auf dem Bug eine Schwimmhilfe trägt. Akzeptiert wird das Restube, ein Gürtel mit einer kleinen Tasche, in der eine gelbe auflasbare Wurst steckt, die durch einen Zug am Bändchen automatisch durch eine CO2 Patrone aufgeblasen wird. Ja, ich kenne die Bedenken dagegen, doch wenn die Schwimmwesten nicht getragen werden, ist es mir lieber, dass die Helfer wenigstens das Restube tragen.

Über Bord mit Restube Schwimmhilfe

Über Bord mit Restube Schwimmhilfe

Brötchen

Wir kennen die Einwände der Biologen, die es nicht gut finden, dass man Wasservögel füttert. Doch wer gerne an seinen gewohnten Stellen ankert, bekommt Besuch von ihnen. Schwäne scheinen zu wissen, wo es etwas gibt und klopfen mit ihren Schnäbeln gegen den Rumpf und geben unmißverständliche Laute von sich. Wer kann da schon widerstehen?

Schwan am Boot. "Hast du etwas Leckeres?"

Schwäne am Boot. „Hast du etwas Leckeres?“

2 Antworten auf: Nützliche Dinge an Bord – I

  • Frank Fitzner

    Es gibt in den Berliner (und m.E. auch in den Brandenburger) Gewässern keine Pflichtausrüstung auf Privatbooten. Natürlich ist es sinnvoll einen Feuerlöscher oder Schwimmwesten an Bord zu haben, aber es gibt keine gesetzliche Verpflichtung – auch nicht wenn das Schiff 15 Meter lang ist. Ich habe expliziet bei der WSP nachgefragt.
    Anders sieht es bei Mietbooten aus. Dort ist für Kinder und erwachsene Nichtschwimmer eine tragepflicht für Schwimmwesten.

    Es gibt lt. Wasserstrassenordnung übrigens auch keine Verpflichtung einen Ankerball beim Ankern auszulegen, nur das BSH konforme Ankerlicht muß abends eingeschaltet werden. Viele Bootsfahrer haben Leuchtmittel die nicht den Vorschriften entsprechen, obwohl es inzwischen auch LED Lampen gibt, die zugelassen sind.

    Ansonsten tolle Homepage, die ich schon seit Jahren verfolge und stets auch weiterempfehle. Kompliment an Herrn Gade, den ich auf der Berliner Oberhavel mit seinem Boot schon oft gesehen habe.

  • Marleen

    Nette Liste. Vielleicht sollte man Fließdecken und dicke Socken hinzufügen. Es ist ja nicht immer warm. 🙂

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