Zwei Fahrgastschiffe im nordfriesischen Wattenmeer festgefahren

Bei ablaufendem Wasser haben sich am 11. Juli 2015 zwei Fahrgastschiffe im nordfriesischen Wattenmeer festgefahren. Gegen 11.25 Uhr alarmierte das Fahrgastschiff „Adler-Express“ die Seenotretter: Auf dem Weg von der Hallig Hooge nach Amrum hatte sich das 42 Meter lange Fahrgastschiff auf einer Sandbank, dem sogenannten „Schweinsrücken“, und damit etwa auf halber Strecke bei ablaufendem Wasser festgefahren – bei gutem Wetter und wenig Wind. An Bord befanden sich 239 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder. Das nordfriesische Revier ist von Ebbe und Flut geprägt. Etwas 2,5 Meter beträgt der Tidenhub bei Amrum. Untiefen, die bei Ebbe trocken liegen, sind bei Flut kaum auszumachen. Die erfahrenen Besatzungen kennen die örtlichen Gegebenheiten gut. Dank Revierkenntnisse, GPS und Echolot bewegen sie ihre Schiffe meist störungsfrei im Wattenmeer. Doch nähern sich die Fahrgastschiffe den Sandbänken, um ihren Passagieren einen Blick auf Robben zu ermöglichen. Bei Grundberührung und schnell ablaufendem Wasser kann es dazu kommen, dass ein Schiff festkommt und bis zur nächsten Flut auf dem Trockenen liegt. Das muss es aushalten und sollte keinen Schaden davontragen.

Zwei Fahrgastschiffe auf einer Sandbank

Zwischen Amrum und der Hallig Hooge sind die beiden Fahrgastschiffe „Hauke Haien“ (l.) und „Adler-Express“ festgekommen. Foto: DGzRS/Die Seenotretter

Dass ein Schiff einige Stunden auf einer Sandbank festliegt, sollte jedoch nicht passieren und ist nicht im Sinne des Angebots der Reedereien, die ihrer Fahrpläne einhalten wollen. Auch sind die Passagiere nicht auf den ungeplanten längereren Aufenthalt an Bord vorbereitet. Beim Versuch, der „Adler-Express“ schnell zu Hilfe zu kommen, war das etwas kleinere, 34 Meter lange Fahrgastschiff „Hauke Haien“ ebenfalls auf Grund gelaufen. Auf keinem der beiden Schiffe sind Verletzte zu beklagen. Wegen des sinkenden Wasserstands durch die Ebbe konnten die Schiffe nicht mehr aus eigener Kraft freikommen. Sie baten die Seenotretter um Hilfe. Es ging vor allem um den Abtransport der Passagiere, die auf Leitern von Bord kamen und inzwischen die Sandbank erkundeten.

Für den im Juni dieses Jahres auf Amrum stationierten neuesten Seenotrettungskreuzer ERNST MEIER-HEDDE und sein Tochterboot LOTTE begann – abgesehen von einem bereits durchgeführten Krankentransport – damit der erste größere Einsatz. Gut 20 Minuten nach der Alarmierung traf der 24 Knoten (ca. 45 km/h) schnelle Neubau am Unglücksort ein.

Zwischen Amrum und der Hallig Hooge sind die beiden Fahrgastschiffe „Hauke Haien“ (l.) und „Adler-Express“ festgekommen.

Zwischen Amrum und der Hallig Hooge sind die beiden Fahrgastschiffe „Hauke Haien“ (l.) und „Adler-Express“ festgekommen. Foto: DGzRS/Die Seenotretter

Wegen des weiter ablaufenden Wassers (Niedrigwasser auf Amrum wurde für 16.13 Uhr erwartet) gelang es nicht mehr, die Menschen direkt von den Fahrgastschiffen zu übernehmen. Die Passagiere verließen die Schiffe auf die Sandbank. Das Tochterboot LOTTE des Seenotrettungskreuzers ERNST MEIER-HEDDE, ein Schlauchboot der „Adler-Express“ sowie eines des Sylter Yachtclubs nahmen die Menschen nach und nach an Bord. Sie übergaben sie an die inzwischen in der Nähe wartenden Fahrgastschiffe „Adler IV“, „Hilligenlei“ und „Rungholt“. Allein die rund acht Meter lange LOTTE übernahm in acht Anläufen rund 95 Menschen. Alle Passagiere, darunter auch einige Kinder, kamen sicher an Land. Dank des guten Wetters dürfte das Ereignis für die meisten einen zusätzlichen Unterhaltungswert gehabt haben. Ungerührt von dem Treiben legten sich einige Robben unweit der Schiffe auf die Sandbank.

Die Besatzungen der beiden Havaristen blieben an Bord um auf die Flut zu warten. Der Seenotrettungskreuzer ERNST MEIER-HEDDE blieb unterdessen in der Nähe. Bei den nächsten Flut, kamen die Schiffe nach 20 Uhr wieder frei.

Quelle: Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS)

Mitteilung vom Sylter Catamaran Club:

Der Sylter Catamaran Club wurde gegen 12:00 von der Reederei Adler-Schiffe informiert, dass die Adler Express zwischen Langeness und Amrum bei ablaufenden Wasser auf einer Sandbank festgefahren war. Daraufhin machten zwei Vereinsmitglieder das Vereins-Schlauchboot (RIP 6m mit 115PS Außenborder) klar und fuhren nach Eintreffen von Sven Paulsen (Chef der Reederei) zur ca. 20 Seemeilen entfernten festliegenden Adler Express. Dort traf das Boot gegen 13:30 ein. Dann wurde damit begonnen, die Passagiere in kleinen Gruppe von maximal 10 Personen zur bereits vor Ort wartenden Adler IV zu bringen. Die Adler IV konnte die Passagiere nicht direkt aufnehmen, da sie wegen des Niedrigwassers nicht an die Adler Express heran kam.

Rettungseinsatz. Foto:  Sylter Catamaran Club e.V.

Rettungseinsatz. Foto: Sylter Catamaran Club e.V.

Durch das Vereinsboot konnten ca. 130 Passagiere übergesetzt werden. Außerdem beteiligte sich die DGzRS an der Evakuierung. Nachdem alle Passagiere in Sicherheit waren, ist das Vereinsboot nach Schlüttsiel gefahren, um einen Bootstechniker abzuholen, der die eventuellen Schäden vor Ort begutachten sollte. In der Zwischenzeit wurden die Passagiere von der Adler IV nach Wittdün (Amrum) gebracht. Dort stellte sich heraus, dass sechs Passagiere zur Hallig Hooge mussten. Dieser Transfer wurde auch noch durch den Verein erledigt, bevor sich die beiden Vereinsmitglieder wieder auf den Weg nach Sylt machten.

In Hörnum trafen sie gegen 20:00 ein. Es war ein anstrengender Tag, aber das wichtigste war, dass die Passagiere alle wohlauf waren. Mit Hochwasser hatte die Adler Express gegen 20:00 wieder genug Wasser und konnte aus eigener Kraft nach Husum zur Inspektion fahren.

Fahrgastschiff Adler Express auf einer Sandbank.  Foto: Sylter Catamaran Club e.V.

Fahrgastschiff Adler Express auf einer Sandbank. Foto: Sylter Catamaran Club e.V.

3 Antworten auf: Zwei Fahrgastschiffe im nordfriesischen Wattenmeer festgefahren

  • Erika

    Bei dem Wetter und dank der Hilfe war das wohl mehr ein Abenteuer für die Fahrgäste. Da schwappt ja nicht mal eine Welle. LG Erika

  • Jens

    Die Ruderanlage der Adler-Express könnte bei der Trockenlage einen Schaden erlitten haben. Die Hauke Haien liegt ja eher gemütlich auf der Sandbank.

  • Gute Gelegenheit, das Unterwasserschiff mal vom Muschelbewuchs zu befreien. 🙂

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