Boot im Tegeler See gesunken

Berlin. Tegeler See. Gegen 14 Uhr lief ich mit meinem Boot aus und fuhr auf dem schmalen Gewässer an der Insel Maienwerder vorbei zum Tegeler See, um einen gemütlichen Ankerplatz ansteuern, um zu lesen und zu baden. Gemächlich tuckerte ich an den Marinas im Saatwinkel vorbei. Bootsstände Lahe, Bootshaus Saatwinkel, Prinzenhof, Odin und WSCS. Vom Tegeler See kommend, brauste ein kleines Motorboot mit hoher Geschwindigkeit heran. Dass hier eine Geschwindigkeitsbegrenzung existierte, schien den Bootsfahrer nicht zu kümmern. Das Boot bog in eine kleine Bucht mit einer Badestelle. Einen kurzen Moment war es außer Sicht und als ich es eine Minute später wiedersah, lag es still und jemand saß oben drauf. Sollte das ein Jetski sein? Es hatte wie ein Motorboot ausgesehen. Ich nutze meine Kamera mit einem starken Teleobjektiv als Fernglas. Das Boot war gekentert und sank. Ein junger Mann mit Basecap hockte klatschnass auf dem untergehenden Rumpf und schwamm schließlich zum nahen Ufer. Die Badegäste am Strand wirkten erstaunlich unaufgeregt. In Gefahr war niemand, doch vom Boot war nicht mehr viel zu sehen. Auf dem Wasser trieben die Sitzpolster. Warum war das Boot gekentert? Die Ursache war nicht erkennbar. Vielleicht hatte der Bootsführer bei der hohen Geschwindigkeit und dem Strand dicht vorm Bug die Kontrolle  über sein Fahrzeug verloren.

Sinkendes Boot mit nassem Mann

Gekentertes und sinkendes Boot mit klatschnassem Mann

Erstaunlicherweise trieb kein Treibstoff auf dem Wasser. Man konnte nicht mehr erkennen, was für ein Motor am Boot befestigt war. Mit einem Elektromotor, der an Angelkähnen üblich war, konnte es nicht ausgestattet sein; dafür war es vorher zu schnell gefahren.

Kajak mit rotem Fender

Kajakfahrer mit rotem Fender beim gesunkenen Boot

Nur wenige Meter weiter hinter einer schilfbewachsenen Landzunge, jedoch außer Sicht, befand sich eine Rettungsstation des ASB. Ich fuhr hin, doch niemand war zugegen. Deshalb rief ich die Wasserschutzpolizei an, die ein Boot herschickte. Doch konnte es bis zur Ankunft etwas dauern. Daher fuhr ich zum sinkenden Boot zurück, das inzwischen fast vollständig unter Wasser war. Ich winkte einen Kanufahrer heran und bat ihn, meinen großen roten Fender an dem Boot festzumachen, um die Stelle zu markieren. Das ging, weil die Abschleppöse am Bug noch zu erreichen war. Allerdings nicht von meinem Boot, aber vom Kajak war das kein Problem. Der Kajakfahrer wurde nass, weil der Fender beim Zuwerfen unerwartet eine ganze Menge Wasser aufspritzte. Sorry!

Ein roter Fender markiert die Untergangsstelle.

Ein roter Fender markiert die Untergangsstelle.

Bald darauf erschien die Polizei. Vom jungen Mann war nichts mehr zu sehen. Die Polizisten guckten sich zwei Fotos an, die ich aufgenommen hatte und versprachen, mir den roten Fender zurückzugeben, der unübersehbar auf dem Wasser trieb. Sonst war von dem Boot nichts mehr zu sehen und es passierte nichts. Deswegen fuhr ich ein Stück weiter und ankerte vor der Insel Reiswerder. Kaum war der Anker unten und hatte ich es mir hinten gemütlich gemacht, klingelte das Handy. Ein Freund rief an, der mit an Bord wollte. In knapp einer Stunde wäre er am Fähranleger im Saatwinkel. Die Zeit reichte noch um zu baden.

Danach fuhr ich zum Fähranleger. An der ASB Rettungsstation lief währenddessen ein Boot aus. Offenbar hatte man eine Mannschaft zusammengetrommelt, die sich des gesunkenen Bootes annahm. Mein Bekannter, der nichts von all dem ahnte, stand bereits auf dem Steg und guckte irritiert, denn die Wasserschutzpolizei verfolgte mein Boot und erreichte uns in dem Moment, als er an Bord stieg. Ein Polizist teilte mir mit, dass man mit den beiden Männern vom Boot mittlerweile gesprochen hatte. Es waren also zwei und nicht nur einer, wie ich beobachtet hatte. Der andere musste schon früher zum Ufer geschwommen sein. Ferner bat der Polizist darum, die Fotos nicht zu löschen, weil möglicherweise die Versicherung auf mich zukam. Danach fuhren wir wieder an der Stelle vorbei, wo das Boot gesunken war. Inzwischen war das Rettungsboot des ASB dabei, es zum nahen Strand zu ziehen. Fünf Herren zeigten vollen Einsatz beim Bergen des gesunkenen Bootes. Glücklicherweise war es klein und der Strand nur 50 Meter entfernt, sodass die Aktion ohne größeren Aufwand zu bewerkstelligen war.  Aber sie dauerte eine  Weile.

ASB Rettungsboot Foto: Thomas Gade

ASB Rettungsboot. Voller Einsatz. Das gesunkene Boot wird zum Strand geschleppt.

3 Antworten auf: Boot im Tegeler See gesunken

  • Urs

    Ist leider so wie auf der Strasse: Wenn ein IQ-Test eingeführt würde, wäre es einiges sicherer und angenehmer. Zudem könnten die Versicherungsprämien gesenkt werden. Es gibt ja Verkehrsteilnehmer die sind noch zu Dumm um zu gehen.

  • Dörte

    Urs, du möchtest doch nicht das Geschäft der Versicherungen, Automobilindustrie und Werkstätten schmälern? LG Dörte

  • Martin

    Kann passieren. Solange keiner und nichts Wesentliches zu Schaden kommt …

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