Leichtsinn im Wattenmeer

Ein Kajakfahrer verdankt sein Leben aufmerksamen Passagieren der Spiekeroog-Fähre und der Revierkenntnis der Neuharlingersieler Seenotretter. Die Freiwilligen-Besatzung des Seenotrettungsbootes NEUHARLINGERSIEL der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) rettete den stark unterkühlten Mann am Samstagnachmittag, 9. Mai 2015, sprichwörtlich in letzter Minute aus dem ostfriesischen Wattenmeer. Gegen 13.50 Uhr meldete sich die Inselfähre „Spiekeroog I“ bei der SEENOTLEITUNG BREMEN der DGzRS. Passagiere hatten ein gekentertes Kajak nahe der Tonne 18 in der Otzumer Balje gesichtet. Bereits rund zehn Minuten später legte die Freiwilligenbesatzung mit der NEUHARLINGERSIEL ab. Die Seenotretter fanden den stark unterkühlten Mann etwa anderthalb Seemeilen (ca. 2,5 Kilometer) östlich der gemeldeten Position. Bei Nordwestwind um sechs Beaufort (bis 49 km/h) war der 70-Jährige vertrieben. „In der kabbeligen See war das gekenterte Boot kaum auszumachen. Der Mann hielt sich mit letzter Kraft daran fest. Nur sein Kopf ragte aus dem Wasser“, schildert Vormann Wolfgang Gruben die schwierige Suche.

Seenotrettungsboot NEUHARLINGERSIEL der DGzRS (Archivfoto: DGzRS/Die Seenotretter)

Seenotrettungsboot NEUHARLINGERSIEL der DGzRS (Archivfoto: DGzRS/Die Seenotretter)

Die Seenotretter nahmen den kaum ansprechbaren, stark unterkühlten Schiffbrüchigen an Bord und hüllten ihn in wärmende Decken. Sie bestellten Notarzt und Rettungswagen zur weiteren Versorgung nach Neuharlingersiel. Der 70-Jährige war gemeinsam mit einem zweiten Kajakfahrer unterwegs gewesen, der allerdings sicher die Insel erreicht hatte.

Kommentar der Redaktion: Diese Sätze stammen aus einer Pressemitteilung der DGzRS vom 10. 5. 2015. Sie werfen die Frage auf, was ein 70jähriger oder sonstjemand bei Windstärke 6 im Kajak auf dem ostfriesischen Wattenmeer zu suchen hat. Das ist die Nordsee und kein ruhiges Kajakrevier. Doch war das kein Einzelfall, wie aus der Fortsetzung derselben Pressemitteilung hervorging:

… Gegen 23 Uhr wiederum erfuhr die SEENOTLEITUNG BREMEN von einem überfälligen Schlauchboot mit 6-PS-Außenbordmotor, unterwegs vom Festland nach Baltrum. Zeugen hatten das Auslaufen aus Neßmersiel mit einem Mann an Bord beobachtet. Gemeinsam mit einem Such- und Rettungshubschrauber der Deutschen Marine suchte das Seenotrettungsboot ELLI HOFFMANN-RÖSER das Wattenmeer ab. Nördlich Baltrum unterstützten der Seenotrettungskreuzer HANNES GLOGNER/derzeit Station Norderney, das Zollschiff „Borkum“ und der Schlepper „Nordic“ die Suche.

Gegen 0.45 Uhr entdeckte die Besatzung der ELLI HOFFMANN-RÖSER etwas im Lichtkegel ihres Suchscheinwerfers, konnte die Stelle aufgrund des geringen Wasserstands allerdings nicht anlaufen. Als der Marinehubschrauber den Fundort ausleuchtete, watete der Vermisste den Seenotrettern entgegen. Die ELLI HOFFMANN-RÖSER brachte Boot und Bootsführer wohlbehalten nach Baltrum.

Kommentar der Redaktion:  Die Entfernung zwischen dem Festland und der Insel Baltrum beträgt rund 4 Kilometer. Ungefähr 1,5 Kilometer trennt sie von der östlichen Insel Langeoog und die Lücke zur westlich gelegenen Insel Norderney beträgt einige Hundert Meter. Das zur Nordsee gehörende Wattenmeer ist voller Strömungen durch Ebbe und Flut.  Der Wind kann hier ordentlich blasen. Ein Schlauchboot mit schwachem 6 PS Motor ist hier sicherlich nicht das richtige Fahrzeug, um sicher von A nach B zu gelangen. Bei kräftigem Wind schon gar nicht.

3 Antworten auf: Leichtsinn im Wattenmeer

  • Iris

    Wer bezahlt solche Einsätze? Mir scheint es grober Leichtsinn zu sein, wenn man mit solchen Nußschalen bei kräftigem Wind auf dem Meer fährt. Ich wünsche euch allen, dass ihr nicht in solche Lagen kommt. LG

  • booton

    Iris, schaust Du hier: https://www.seenotretter.de/spenden/

    Ob das Geld sinnvoll angelegt ist in diese gedankenlosen Menschen, die hier beschrieben sind, ist eine andere Frage. Hoffentlich jedenfalls sind sie danach geläutert…

  • hans peter

    @booton…“Ob das Geld sinnvoll angelegt ist in diesen gedankenlosen Mensch“
    gedankenlos bist wohl eher du.

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