Eine neue Planke für den Trailer

Das alte Brett auf dem Trailer, auf dem das Boot stand, zeigte unter seinem Gewicht eine verdächtige Biegung. Wenn es wieder im Wasser lag, sollte das Brett inspiziert werden. Anfang April brachte die Slipmannschaft mein Boot von seinem winterlichen Stellplatz ins Wasser. Der Trailer rollte hinein, das Boot schwamm auf und ich nahm es entgegen. Die Startversuche klappten. Der Motor sprang an und qualmte einen Augenblick. Die Wasserpumpe beförderte einen Rest des Frostschutzmittels außenbords. Das Boot wurde zu seinem Liegeplatz gebracht und vertäut. Vier unerwartete ‚Gäste‘ waren zum Sliptermin erschienen, kletterten ins Boot und nötigten mich zu einer mehrstündigen Fahrt auf der Havel. Soviel zu den Rechten der Schiffsführer und ihrer Weisungsbefugnis auf eigenen Fahrzeugen.

Danach war der Trailer weg. Später meinte der Hafenmeister, dass die Slipmannschaft ihn an seinen alten Platz gestellt hatte, doch zunächst blieb er verschwunden. Ein paar Tage später lief ich das ganze Grundstück noch einmal gründlich ab. In der hintersten Ecke stand ein alter Kran auf einem schmalen Weg, der einst die Hälfte einer Auffahrt war. Der Kran versperrte fast die gesamte Breite und Spinnen hatten ihre Netze zwischen dem Zaun und Kran gesponnen. Mit einem Stock beseitigte ich sie und zwängte mich an dem Kran vorbei. Auf dem schmalen Weg standen tatsächlich ineinander verkeilt einige Trailer, darunter auch meiner. Eine Inspektion der hölzernen Auflage bestätigte den Verdacht. Teilweise war sie morsch. Eines war klar, diesen Trailer würde mir keiner während der Saison aus seiner Ecke in eine günstige Position zur Reparatur bringen.

Unter den gegebenen Bedingungen schien es angebracht, in Erwägung zu ziehen, die morschen Stellen weg zu kratzen, das Holz geschützt vor Regen trocknen zu lassen, die defekten Stellen mit Epoxidharz zu reparieren und unter das Brett zusätzliche frische Bretter mit Epoxydharz und Schlossschrauben anzubringen. Dieser Plan hätte jeden Besitzer einer Scheune die Augenbrauen hochziehen lassen. Wer auf diesem schmalen Weg neben den ineinander verkeilten Trailern fernab von Steckdosen vor der gleichen Frage stand, wäre vielleicht auf dieselbe Idee gekommen.

Morsches Holz mit Epoxydharz restaurieren

Ich beseitigte einen Holzklotz, der stark angegriffen war und pulte darunter die morsche Substanz heraus, ließ die Stelle ein paar Wochen trocknen und reparierte sie wie oben beschrieben. Das Ergebnis sah alles andere als schön aus, war aber bombenfest. Trockenes (!!) morsches Holz kann man mit Epoxydharz hervorragend stabilisieren und belastbar machen. Das Zeug ist ein exzellenter Klebstoff.

Leider stellte heraus, dass das Brett auch an zwei anderen Stellen schadhaft war. Ich hatte an einer Stelle, die gesund erschien, ein Loch gebohrt und der Bohrer beförderte spiralförmig eine graue feuchte Grütze ans Tageslicht. Da half alles nichts. Das Brett musste ausgetauscht werden.

Wegstrecken beim Arbeiten

Wegstrecken beim Arbeiten. Lange Wege beim Hin und Herlaufen

Handwerklich war das keine große Herausforderung, jedoch war der logistische und sportliche Aufwand hoch. Aus der 11 km entfernten Wohnung in der dritten Etage und aus dem Keller waren Material und Werkzeuge runter und hoch zum Parkplatz auf der Straße zu schleppen. Die Aktion war genau zu planen, denn für vergessene Teile, musste die Fahrt erneut angetreten werden. Unterwegs gab es einen Baumarkt, in dem eine passende Planke, Polyesterharz und Schrauben besorgt wurden. Im Auto sah es mehrere Tage aus, als ob eine Bombe eingeschlagen war. Eine benachbarte Tischlerei sägte mir zwei Holzblöcke zu als Auflagen für das Boot. Alles andere konnte ich mit der Stichsäge, einem Winkelschleifer und der Bohrmaschine auf Maß und in Form bringen. Geklebt und Risse gefüllt wurde mit Polyesterharz, gestrichen mit Owatrol und Bootslack. Einmalhandschuhe aus Latex erwiesen sich als extrem nützlich beim Hantieren mit Kunstharz und Lack. Ein Paket mit 100 Paaren kostete im Baumarkt rund 20 € und bei Aldi 5 €.

Die neue Planke für den Trailer

Die neue Planke für den Trailer

Die zurückzulegenden Fußwege zwischen Auto, Boot (Depot vor Ort für Werkzeuge, Material und Reinigungsmittel), Werktisch mit Schraubstock und Strom und dem Trailer waren beträchtlich. Das Auto stand ca. 90 Meter vom zentralen Platz auf dem Bootsgelände entfernt. Vor dort bis zum Boot waren es ca. 50 Meter. Vom Auto zum Trailer ca. 120 Meter und ca. 60 Meter betrug die Distanz zum Werktisch. Bei mehreren Gängen zwischen den Stationen kam insgesamt eine respektable Strecke zustande. Der Werktisch stand an der Nordseite eines Hauses im zugigen Schatten, der wenig von der Wärme spüren ließ, die in der Sonne herrschte.

Einige Tage später

Endlich ist die neue Planke auf dem Trailer. Geölt und mehrmals lackiert. Fixiert mit Schlossschrauben, Metallplatten und Kunstharz. Das Werkzeug ist klebrig vom Polyesterharz, leider auch die gute Makita Bohrmaschine. Der hintere Bock ist fertig, aber noch nicht angeschraubt. Doch ist das eine Kleinigkeit, die später erledigt werden kann. Die gesamte Aktion erstreckte sich mehrstündig über sechs Tage mit jeweils mindestens 22 km Autofahrt.

Eigenes Boot oder chartern?

Wer über den Kauf eines eigenen Bootes nachdenkt, sollte den daran hängenden Rattenschwanz nicht vergessen. Mit dem Bezahlen des Bootsliegeplatzes ist es nicht getan. Beim Addieren der Kosten und eines realistischen Zeitaufwands zur Pflege und Wartung des Bootes, kann sich das Chartern als der bessere Weg erweisen. Bekommt man eines für 100 € pro Tag, ist es für den Gesamtbetrag, den man jährlich durchschnittlich zum Halten eines 6,5 Meter Kajütboot aufbringt, rund 25 Tage ausleihbar ohne den erheblichen Arbeitsaufwand leisten zu müssen. Es muss nicht immer ein teures Motorboot sein. Auch Kanutouren können sehr schön sein. Für rund 30-40 € sind sie in reizvollen Revieren zu mieten.

Schreibe einen Kommentar

Du kannst diese HTML tags verwenden

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

  

  

  

Löse die Aufgabe: *