Oxly Boote

Zemminsee

Ludger Wimberg

Wer heute die A13 befährt, kann kurz, aber wirklich nur kurz, einen Blick auf den Zemminsee werfen. Die Schallschutzmauern der Autobahn sind hier an einer Stelle durch Sichtfenster unterbrochen, die den Blick frei geben auf Brandenburgs südlichstes zusammenhängendes Seengebiet. Doch wo die Sehnsüchte der Autofahrer enden, beginnt der Genuss der Bootsfahrer.



Spätesten an dieser Stelle flippt mein GPS Gerät aus. „Bitte wenden“ sagt Emma, so heißt nämlich mein Medion Aldi Gerät. Hier kreuzt die Autobahn den Wasserweg und hier kann sich Emma erstmalig wieder in ihr dürftiges Kartenmaterial einloggen. Doch ich bin zufrieden mit Emma. Dieses veraltete Kartenmaterial zeigt präzise die Wasserwege, die Uferbereiche und Kanäle, was brauch ich mehr. Und vor allem, sie zeigt mir die Geschwindigkeit.



Zwischen dem Zemminsee und dem Groß Köriser Schulzensee hat der Mensch massiv eingegriffen. Hier mussten drei Brücken (Brücke über die Sputendorfer Straße, irgendwann die Autobahnbrücke an seiner Einmündung des Zemminsee und die Eisenbahnbrücke) errichtet werden. Diese Brücken erforderten die Aufschüttung mehrere Meter hohe und Kilometer lange Dämme, um die notwendigen Durchfahrtshöhen für Wasserfahrzeuge zu gewährleisten. Diese Dämme gaben der bis dahin im wesentlichen flachen Landschaft ein völlig neues Gesicht. Der sich in dieser Zeit rasch entwickelnde Ortsteil Rankenheim wurde vom übrigen Ort abgegrenzte und kam in eine isolierte Lage.

Starke Eingriffe und Veränderungen erfuhr der Zemminsee selbst. Bis zum Bau der Autobahn hatte das Ostufer des Sees die Form eines Zipfels, der sich zum Eisenbahnkanal hin verengte. Die Autobahntrasse führte quer über diesen Zipfel und beseitigte ihn. Der zwischen dem Autobahndamm und dem Ort verbliebene Teil des Sees wurde zum Teil mit Erde aufgefüllt, zum Teil ist er erhalten geblieben und noch heute zu erkennen. Auf diese Weise erhielt das Ostufer des Sees seine heutige Gestalt. Die Autobahnbrücke bildete nunmehr die Grenze zwischen dem See und dem Eisenbahnkanal. Da der sumpfige Untergrund des Sees keine Stabilität für den Damm gewährleistete, musste durch mehrere sog. „Moorsprengungen“ der weiche Untergrund zur Seite gesprengt werden. Für die Einwohner von Groß Köris waren diese Sprengungen ein höchst interessantes Ereignis. Ältere Einwohner erinnern sich noch gut daran, wie durch die Sprengung die fast 10 Meter hohe Erdaufschüttung „wie von Zauberhand“ in der Erde verschwand. Drei solcher Sprengungen waren erforderlich, bis die notwendige – bis heute zuverlässig gewährleistete – Stabilität erreicht war.