Oxly Boote

Von Ketzin nach Brandenburg und zurück

Berlin - Ketzin - Brandenburg und zurück im Motorboot - Teil 2

Fotos zur Reise: Album

August 2012 @ Thomas Gade

Am nächsten Tag fuhren wir von Ketzin nach Brandenburg und zurück. Bei Ketzin waren diverse Jetskifahrer unterwegs, die das geltende Höchstgeschwindigkeitsgebot weit übertraten. Ihre Anwesenheit und ihr Verhalten hing mit dem diesjährigen Fischerfest zusammen. Nach der Fahrt entlang der Ketzin der Havelinseln erreichten wir den Trebelsee, eine Erweiterung des Flusses. Hier befand sich das eigentliche Wassersportgebiet der Ketziner. Auf dem Gewässer gab es einen ausgewiesenen Bereich für den Wasserski. Schnelle Surfer waren zu sehen. Ein schnelles Motorboot scheuchte zahllose auf dem See dümpelnde Graugänse auf. Das Boot fuhr im hohen Tempo hinter dem tief dahinfliegenden Schwarm her. Es scheuchte die an anderer Stelle wieder gelandeten Graugänse nochmals auf. Schließlich verschwanden die Vögel in langen Reihen in Richtung der nördlich stehenden Windkrafträder. Das seltsame Vergnügen des Motorbootfahrers an dieser Aktion konnten wir nicht nachvollziehen.



Hinter dem Trebelsee schlängelte sich die Havel durch die Landschaft. Immer wieder zweigten Arme von ihr ab. Entlang der Ufer standen lange Schilfgürtel. Dahinter waren Bäume. Eine friedliche natürliche Landschaft so weit das Auge blicken konnte. Wir begegneten einigen Binnenschiffen und vielen Motorbooten. Nur selten sahen wir ein Segelboot. An manchen Stellen gab es Ansammlungen von Booten, die dort vor Anker lagen oder an den Ufern festgemacht waren. Hier gab es sandbankähnliche Untiefen, die den Einheimischen bekannt waren und von ihnen zum Baden aufgesucht wurden.



Es war sehr heiß. Im Radio hörten wir, dass 35 °C im Schatten herrschten. Es wehte kein Wind und bei der Hitze bewirkte das gleichmäßige Tuckern des Motors einen Trancezustand, in dem die Flusslandschaft zu einem visuellen meditativen Element wurde. Jeder Abzweig von der Havel reizte zu einem Abstecher, doch das Erobern der vielen Seitenarme hätte mehrere Tage in Anspruch genommen und wir wollten am Abend zurück in Ketzin sein. Theodor Fontane wäre in der Lage gewesen diese Landschaft angemessen zu beschreiben, wir konnten es nicht. Man muss sie gesehen und erlebt haben, um sie sich vorstellen zu können. Immer wieder entdeckten wir Graureiher, die am Ufer unter schattigen Bäumen standen und das Wasser beobachteten, um eine günstig vorbeischwimmende Beute zu erhaschen. Ein paarmal zogen Kraniche über uns hinweg. Ihr Rufen war weithin zu hören. Ihre Präsenz überraschte uns, den wir kannten ihr Auftreten in größeren Mengen nur von den herbstlichen Ansammlungen an den Sammelplätzen der Zugvögel. Erstaunlicherweise begegneten wir nur wenigen Ausflugsdampfern, die noch zwischen Berlin und Werber zahlreich anzutreffen waren. Dieser Landstrich war offenbar zu weit entfernt für ein größeres Publikum, das die Fahrt auf diesem Gewässer sicherlich sehr genossen hätte.



Wir näherten uns Brandenburg. Um uns herum stieg die Anzahl der Motorboote an. Viele Brandenburger nutzten den heißen Wochenendtag für einen Ausflug auf dem Wasser. Es waren allerlei kleine und große Gefährte unterwegs. Manche davon waren abenteuerliche Selbstbauten, die deutlich machten, dass auf dem Wasser eine extrem liberale Haltung hinsichtlich der zugelassenen Fahrzeuge existiert. Alles was schwimmt und keinen Dreck verursacht, kann benutzt werden. An alles Schwimmbare ist irgendwie ein Außenborder zu montieren, der es antreibt.

Durch Brandenburg zogen sich mehrere Kanäle. Es gab zwei Schleusen. Rings um den Ort gab es einige Seen. Wir fuhren auf dem Stadtkanal zur Sportbootschleuse. Es schien als ob ganz Brandenburg im Boot unterwegs war. Auf dem Gewässer herrschte ein starkes Gedränge. Wir entdecken zwei freie Anlegestellen und erfuhren, dass es diverse weitere gab. Hier war man auf Wasserwanderer eingestellt. Die wirtschaftliche Bedeutung der touristischen Gastfreundschaft war den drei Jungs auf der Anlegestelle, an der wir festmachten, noch nicht deutlich. Sie nutzten den Steg zum Hin und herlaufen und Baden, was bei der Hitze verständlich war, aber sie gingen uns mit ihrem Lärm auf die Nerven. Einer von ihnen stellte sich neben unser Boot, gackerte wie ein Huhn und bewegte seine Arme wie Flügel. Er steigerte sich in diese Rolle hinein und selbst seine beiden Freunde guckten nach einer Weile etwas irritiert herüber. Wir nahm dies zum Anlass, um wieder abzulegen und weiterzufahren, denn dieses Ambiente entsprach nicht unserer Vorstellung von einer gemütlichen Anlegestelle.



Es war mittlerweile so warm, dass es uns Mühe machte, die notwendige Aufmerksamkeit aufzubringen, um aus Brandenburg herausfahren. Die vom Wasser aus zu sehenden Sehenswürdigkeiten, wie der Dom und andere historische Gebäude, konnten in der Situation nur kurzfristig unsere Blicke auf sich lenken. Wir waren froh wieder auf der breiteren Havel zu fahren. Eine rote Schüssel an Bord wurde zum Fußbad für den Rudergänger umfunktioniert, damit dieser wenigstens ein bisschen Kühlung bekam. Unter dem an den Seiten offenen Stoffverdeck regte sich kein Lüftchen. Hin und wieder sahen wir Menschen bis zu den Knien oder Hüften neben ihren dümpelnden Booten auf Untiefen weit vom festen Ufer entfernt stehen. Es schien beinahe, als ob die Menschen auf dem Wasser wandeln konnten.

Am späten Nachmittag näherten wir uns Ketzin. Auf dem Trebelsee rasten mehrere Jetskis und Motorboote hin und her. Dieser See bildete eine Ausnahme in dem ansonsten ruhigen Flussabschnitt zwischen Paretz und Brandenburg. Hier trafen sich die Raser, die ihre Gashebel gerne bis zum vorderen Anschlag drückten. Die zwischen Ketzin und den Trebelsee geltende Geschwindigkeitsbegrenzung auf 6 km/h wurde ignoriert. Auf dem schmalen Abschnitt fuhren, beziehungsweise rasten, Jetskis im hohen Tempo Slalomkurse. Kleine Motorboote flitzen vorbei. Ein paar Jungs auf einem Schlauchboot des DLRG heizten mit vollem Karacho hin und her. Offenbar musste es hier ein gut funktionierendes Frühwarnsystem vor der Wasserschutzpolizei geben, deren Präsenz dem zügellosen Treiben wohl ein Ende gesetzt hätte.



Wir legten erneut beim Restaurant “An der Fähre “an. Die alte Seilfähre begrüßte uns mit ihrem klackernden Antrieb und weckte die Hoffnung auf ein baldiges kühles Bier aus einem taubeschlagenen Glas auf der Terrasse der Gaststätte. Mit letzter Kraft schaffen wir es das Boot festzumachen und zur Badestelle am Havelufer zu gehen, um ein kühlendes Bad zu nehmen. Bis zum Hals im Wasser stehend, beobachtete ich die vom Steg ablegenden Boote mit Besatzungen, die im Restaurant gespeist hatten. Sie fuhren davon und allmählich kehrte Ruhe ein. Die Sonne ging unter und wir kamen endlich zu den gewünschten Getränken, die in der nun einsetzenden Abendabkühlung keinen sofortigen Schweißausbruch mehr bewirken und dementsprechend genossen werden konnten. Gemächlich floss die Havel vorbei, bildeten wir uns ein, denn weder beim Fahren noch beim Schwimmen war eine Strömung spürbar gewesen.



Im Abendlicht schwebte ein Heißluftballon gemächlich über uns hinweg. Sein ruhiger Zug über der malerischen Landschaft entsprach genau dem Niveau ein Action, das uns nach diesem Tag am zuträglichsten war. Der Genuss des Zweiten Bieres konnte selbst von den mittlerweile eingetroffenen Mücken, die sich mit großem Elan über uns her machten, nicht getrübt werden.


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