Oxly Boote

Dieselkraftstoff

© Thomas Gade / Mai 2015

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Testkit mikrocount® fuel

von Schülke & Mayr GmbH


mikrocount® fuel Testkit

Das Testkit von mikrocount fuel Schülke enthält:

Gebrauchsanleitung
Sterile Einmalpipette
1 Paar Einmalhandschuhe
Probenbehälter für 20ml

Glasflasche mit einem transparenten Gel Das eigentliche Verfahren kennen wir aus dem Biologieunterricht. Dort werden Nährböden in Petrischalen mit Substanzen geimpft, die sichtbare Kulturen bilden. Dazu werden die Petrischalen verschlossen und eine zeitlang sich selbst überlassen. Ebenso funktioniert der Test mikrocount fuel. Zunächst zieht man eine Probe des zu prüfenden Kraftstoffs aus dem Tank. Sie sollte vorzugsweise vom Grund des Tanks genommen werden, also nicht von der Kraftstoffoberfläche, weil sich die Wasserphase, eine Grenzschicht zwischen dem Diesel und Wasser oder gar Bioschlamm unten befindet. Deswegen ist in der Tiefe des Tanks die höchste Belastung mit Material, das nicht im Kraftstoff sein sollte, zu erwarten.

Manche Tanks sind gut zugänglich und haben sogar einen Hahn in Bodennähe. Dann ist das Ziehen einer Probe einfach. Auf vielen kleineren Booten ist der Tank so verbaut, dass man kaum herankommt. Im schlimmsten Fall kann man versuchen einen Schlauch durch den Einfüllstutzen hindurch zu schieben und hoffen, dass er nach unten sinkt. Die Probe kann man im verschlossenen Probenbehälter aufbewahren. Mit einer sterilen Pipette wird für den eigentlichen Test eine kleine Menge Diesel aus dem Probenbehälter gezogen und in die Flasche eingegeben, in der sich das transparente Gel, der Nährboden, befindet. Daraufhin wird die Flasche gut verschlossen und kräftig solange geschüttelt bis sich das feste Gel aufgelöst hat und auf dem Boden der flach liegenden Flasche verteilt. Das ist unsere 'Petrischale', in der Mikroorganismen in der Nährsubstanz gedeihen und ihre Kulturen sichtbar werden.


Bei unseren Tests von verschiedenen Dieselproben trübte sich der Nährboden in den Flaschen ein
und nahm einen gelblichen/bräunlichen Farbton an.



Probe 1 wurde im Jahre 2014 nach Motorausfällen durch Dieselpest beim Abpumpen des Kraftstoffs abgefüllt. Obwohl beim Nachfüllen des Diesels üblicherweise ein Schwapp Biozid mit in den Tank gegeben wurde, geschah dies offenbar nicht sorgfältig genug und Mikroorganismen breiteten sich aus.
Probe 2 wurde im Jahre 2015 aus demselben Tank gezogen. Im Vorjahr war der größte Teil des Bioschlamms aus dem Tank entfernt worden. Zudem hatte man Grotamar 82 in der zur Schockdosierung vorgegebenen Dosis dem Kraftstoff beigemischt. Obwohl er relativ trübe ist und noch etwas Bodensatz aus dem Tank gepumpt wurde, zeigt der Test, dass die Mikroorganismen hier nur in geringem Maße aktiv sind.
Probe 3 stammt aus einem anderen Sportboot. Sie enthält einen relativ hohen Anteil Bioschlamm, jedoch befand sich auf dem Boden des Tanks 'nur' einer ca. 1 cm hohe Schicht. Die bräunliche Färbung weist darauf hin, dass der Kraftstoff kontaminiert ist, allerdings nicht in dem Maße, wie der Anblick des Glases mit der Probe vermittelt.
Probe 4 kommt aus einem Wohnmobil, das saisonal genutzt wird. Der Kraftstoff ist gelblich und leicht trübe. Ablagerungen sind in der Probe nicht zu sehen. Beim Test sieht man nach vier Tagen nur rechts oben (Queransicht) unterhalb des Verschlusses der Flasche eine bräunliche Eintrübung. Die charakteristischen Schadensbilder aus der Gebrauchs-anleitung konnten wir nicht sehen. Die Kontamination des Diesels wurde durch eine bräunliche Eintrübung des Gels sichtbar.

Sauberkeit

Bei diesem Test ist es von großer Bedeutung, dass man den Nährboden in der Flasche nur mit dem Kraftstoff impft, der geprüft werden soll. In der Praxis führt man ihn nicht unter Laborbedingungen durch und kann versehentlich Stoffe in den Nährboden einführen, die das Ergebnis verfälschen. Um dies zu vermeiden, sollte man so sauber wie möglich arbeiten.

Temperatur

Das Gel mit der Dieselprobe soll vier Tage bei einer Temperatur zwischen 22-28°C ruhen. Danach sind Veränderungen zu erkennen und nach den Bildern in der Anleitung zu bewerten. Im Labor hätte man dafür temperierte Aufbewahrungsbehälter, die jedoch den Do-it-yourself Testern am Boot, Wohnmobil oder Trecker nicht zur Verfügung stehen. Ist es kühler, dauert es länger. Am besten überlegt man sich vorher, wie man die Temperaturvorgabe einhält.

Wo ist der Einsatz sinnvoll?

Zieht man eine Probe vom Boden des Tanks, sieht man, ob der Kraftstoff sauber ist. Deswegen ist dieser Test für einen teilgefüllten kleinen Tank (rund 60 Liter) eines Sportbootes aus wirtschaftlichen Gründen fragwürdig.

Anders sieht es aus, wenn man Tanks mit mehreren 100 l an Bord hat. Ihren Inhalt kann man nicht mal eben in drei Kanister umfüllen, um sie zu reinigen und den Diesel zu filtern. Hier sind die Kosten für ein Testkit im Verhältnis zur Kraftstoffmenge gering. Hat man den Treibstoff infolge der sichtbaren Bildung von Bioschlamm mit einer höheren Dosis Biozid versehen, kann der Test klären, ob die Schockdosierung erfolgreich war.

Vor dem Bunkern von größeren Mengen Diesel aus zweifelhaften Quellen, ist ein Test sinnvoll, um festzustellen, ob man sich kontaminierte Ware in den Tank gießt. Bei Temperaturen um 25° dauert es rund vier Tage bis die Sichtkontrolle des Tests Aufschluss über den Grad der Kontamination vermittelt.

Betriebe (Landwirtschaft, Technikmuseen, ...) und Wassersportvereine mit eigenen Tankstellen, sollten ihren Kraftstoff bei einem verhältnismäßig geringen Durchsatz gelegentlich testen. Der Treibstoff für Notstromaggregate in sensiblen Einrichtungen muss regelmäßig geprüft werden, um der Verantwortung gerecht zu werden. Hier ist die Verwendung des mikrocount fuel Testkits anzuraten.

Sensibilisierung für das Thema

Da man bei einer Dieselprobe sehen kann, ob der Kraftstoff Bioschlamm enthält, bringt dieser Test vielerorts keine neuen Erkenntnisse. Jedoch ist er ein gutes Mittel, um Personenkreise, die mit dem Thema vertraut gemacht werden sollen, dafür zu sensibilisieren. Wenn man für den Fuhrpark eines Transportunternehmens oder landwirtschaftlichen Betriebes verantwortlich ist oder für den zuverlässigen Betrieb von Notstromaggregaten, die mit Diesel betrieben werden, sollte man wissen, dass der Kraftstoff durch Oxidation altert und durch die Besiedlung durch Mikroorganismen, die einen Bioschlamm bilden, unbrauchbar werden kann. Vielen Menschen ist dies nicht bekannt und ein Test im Rahmen einer Unterweisung, der vermutlich immer mindestens eine geringe Kontamination anzeigen wird, bringt diese Problematik in das Bewusstsein der betreffenden Personen. Sie können durch Vorsorge und einem Verbrauchsmanagement Ausfälle ihrer Technik vermeiden oder, falls es doch dazu kommt, die Ursache schneller erkennen und mit diesem Wissen die anschließende Schadensbehebung besser begleiten. Anders ausgedrückt: Ein Bootseigner, dessen Bootsmotor durch verunreinigten Diesel ausfällt und von einer über den Auftrag erfreuten Werkstatt wieder zum Laufen bringen lässt, kann eine jährliche Inspektion dieser Art einplanen, wenn ihm die Ursache nicht bekannt ist. Dieser Vorgang kostet Geld, Zeit und Vertrauen in das Boot. Das Abpumpen des Diesels, eine Reinigung des Tanks und der Treibstoffleitungen sowie der Austausch von Kraftstofffiltern beseitigen die Ursache. Mit präventiven Maßnahmen kann das erneute Auftreten der Dieselpest vermieden werden.

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