Zwischen Schrott und Juwelen

Ein Gang über die winterlichen Abstellplätze für Boote ist immer wieder ein Abenteuer. Jedes Gelände hat seinen Charakter. In einer Marina herrscht penible Ordnung und Sauberkeit, in der anderen sind das Fremdwörter. Das Zeug steht da rum wie Kraut und Rüben. Alte Sachen erzählen ihre Geschichte. Charmant, morbide und belustigend zugleich. Wer meint, dass der Besitz und die Nutzung eines eigenen Motorbootes in der deutschen Hauptstadt unbedingt ein teurer Luxus sei, kennt die Realität nicht.

Berlin hat zahlreiche Gewässer und mehrere Flüsse, insbesondere die Spree und die Havel, den Tegeler See, Wannsee, Müggelsee, Niederneuendorfer See und andere. Fährt man darauf, sieht man an vielen Stellen Liegeplätze, die sich sogar Schmalhans leisten kann und Boote gibt es genug. Viele werden wie sauer Bier angeboten. Trotz günstiger Preise finden sie keinen neuen Besitzer. Nun gut, die Fahrzeuge haben mitunter ihre besten Jahre schon lange hinter sich, aber sie sind immer noch schwimmfähig und ihre Antriebe laufen. Alles andere ist Kosmetik und eine Frage der persönlichen Empfindlichkeit. Wer sich nicht daran stört, auf einem Boot unterwegs zu sein, dass mehrfach übertüncht wurde und an vielen Stellen geflickt ist oder seit Jahren von der gefürchteten Osmose, einer Krankheit, die Boote aus GFK befällt, betroffen ist, kann relativ leicht einen alten Kahn auftreiben, der so gut wie nichts kostet.

Alt und gammelig

Alt und gammelig

Wer gute Nerven hat, lässt das Boot weiter verkommen. Es dauert lange, bis es ein ernsthaftes Leck bekommt. Für Freizeitboote gibt es keinen TÜV. Solange ein Wasserfahrzeug kontrolliert bewegt werden kann und nicht offensichtlich das Gewässer verunreinigt, interessiert sich keine Behörde dafür. Im Winter stehen viele Boote an Land. Häufig ist es kein Problem, ein Bootsgelände zu betreten und sich die dort abgestellten Fahrzeuge anzusehen. Falls jemand ankommt und meckert, reicht meist der Hinweis, dass man ein Boot sucht.

Besitzer, die ihre Wasserfahrzeuge pflegen, haben im Winter eine Plane darüber gezogen. Aber es gibt Boote, die ohne eine spezielle Winterbedeckung herumstehen. Das sind Kandidaten für eine billige und schnelle Übernahme. Eine Plane kostet keine 100 € und wenn die Bootsbesitzer nicht mal mehr diesen Betrag aufbringen, stehen die Chancen nicht schlecht, dass sie ihr Boot für wenig Geld abgeben. Die Kontaktaufnahme ist machbar. Entweder klebt man einen Zettel mit der Bitte um einen Anruf an dem Bootsrumpf oder man erwischt den Liegeplatzbetreiber und erkundigt sich bei ihm nach der Telefonnummer eines Bootsbesitzers.


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